Von Heinz Michaels

Auch wenn auf dem Rathausmarkt von Bremen schwarze Fahnen wehen, auch wenn sich Protestdemonstrationen durch die Straßen von Stade oder Einswarden wälzen sollten, Gero Madelung und Johann Schäffler wollen an ihrem Konzept festhalten: "Wir sind wild entschlossen, unseren Plan zu verwirklichen." Und mit lutherischem Pathos bekräftigt MBB-Chef Madelung seine Haltung: "Wir können nicht anders."

Es geht um die Absicht der Geschäftsleitung des Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), im nächsten Jahr die Belegschaft um 3500 Arbeitnehmer abzubauen, 1100 durch normale Fluktuation und 1400 durch Entlassungen.

Entgegen der Ansicht von Gero Madelung ist Alois Schwarz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, allerdings der Meinung: Das muß nicht sein. "Und wenn man auf eine Dividende verzichten muß; Arbeitsplätze gehen jetzt vor." Das Unternehmen solle vielmehr unter Einsatz finanzieller Reserven die Arbeitskräfte halten und besonders die wertvolle Entwicklungsmannschaft mit "natürlich sinnvollen Aufgaben" beschäftigen.

"Wenn die Geschäftsleitung auf uns gehört hatte", so Schwarz, "wenn in den letzten zwei Jahren nicht noch ein Personalaufbau erfolgt wäre, dann wäre der eventuell notwendige Abbau ein Klacks. Davon würde niemand sprechen." Wenn ...

Die Betriebsräte waren skeptisch. Doch alle europäischen Flugzeugbauer waren euphorisch. Fast jede Woche flatterten bei Airbus Industrie neue Orders ins Haus; die Produktion hinkte nach; das Unternehmen war bis 1984 fast ausverkauft. Johann Schäffler, in der MBB-Geschäftsführung zuständig für die Airbus-Produktion: "Wir haben die Flugzeuge mit roher Gewalt herausgebracht."

Da hatte die Produktion Vorrang; die Umstrukturierung des Unternehmens wurde vertagt. Denn aus Toulouse, dem Montagezentrum des Airbus, lagen die Pläne vor, die Produktion von monatlich vier Flugzeugen bis 1983 auf acht, möglicherweise sogar zehn Maschinen hochzufahren. Man rechnete mit 42 000 Mitarbeitern (gegenwärtig 38 355).