Berlin: "Eisen statt Gold – Preußischer Eisenguß"

In adäquater Umgebung ist die von Krefeld kommende, im wesentlichen aber Objekte aus Berliner Sammlungen enthaltende Ausstellung installiert: im zentralen Kuppelbau des Charlottenburger Schlosses, aus dem man zur einen Seite auf die Eisenbrücke im Garten schaut, zur anderen auf Schlüters Reiterbildnis des Großen Kurfürsten im Ehrenhof; das sich in Nippesformat in der Schau wiederfindet. Zwischen diesen beiden Polen des Zweckbaues und des kleinformatigen Schmuck- und Gebrauchsgegenstandes für das biedermeierliche Heim bewegen sich die Produkte der Berliner und preußischen Eisengießereien, die den Ruf des "Fer de Berlin" in die Welt hinaustrugen, künstlerisch gefestigt durch Namen wie Christian Daniel Rauch und vor allem Schinkel (dessen Kreuzbergdenkmal für die Befreiungskriege eine besonders unangenehme Eigenart des Eisens offenbarte: es rostet; das gesamte Denkmal mußte abgetragen und restauriert werden). Die Blütezeit reichte vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis etwa 1850; den Eisenguß hoffähig gemacht hatte Friedrich Wilhelm III., der sein Palais mit Produkten der Eisengießereien ausschmückte, aus ökonomischen wie patriotischen Gründen. Eisenguß war preiswert und galt als preußisch – das "Gold gab ich für Eisen", nach den Befreiungskriegen auf Ringen und Broschen zu lesen, ist sprechendster Beleg des patriotischen Elements. Schmuck und schöne Leuchter und Vasen vor allem sind es, dem der Eisenguß auch heute noch guten Ruf und hohe Preise verdankt. Die aus England übernommene Gußtechnik ermöglichte eine ungewöhnlich feine Verarbeitung, die zuvor nur bei Edelmetallen üblich war; nun konnten auch Hals- und Armbänder, Ketten und Diademe in höchster technischer Vollendung und künstlerischer Eigenständigkeit in Eisen geschaffen werden. Gotisierender und klassizistischer Geschmack vereinigten sich zu feinen, filigranen Formen, phantasievollen vegetabilen und ornamentalen Mustern, zurückhaltend – und auf matt schimmernder Haut sehr wirkungsvoll – in schlichtem Schwarz gehalten. Auch heute noch kann man sich der feierlich-einfachen Wirkung schwer entziehen, ein Hauch von Enthaltsamkeit umgibt die kleinen Schmuckobjekte ebenso wie die aufwendigen, der Antike nachempfundenen Vasen und Kratere. Doch dies ist nur die eine, die "Repräsentations"-Seite der Gußproduktion die andere, seinerzeit wohl weitaus gewichtigere, sind die ungezählten Döschen und Kästchen, die Plaketten und Figürchen: Feldherren, Herrscher und Dichter, monumentale, antikisierende Denkmäler in Vertiko-Größe; alles dies – und noch viel mehr! – aus Eisen, Eisen, Eisen. Da fehlt noch eine Sozialgeschichte des "Fer de Berlin", eine Behandlung des kulturgeschichtlichen Aspekte, an dem sich die kunsthistorische Forschung – zu der der Katalog Wesentliches beiträgt – bisher ein wenig vorbeigemogelt hat. (Schloß Charlottenburg bis Januar 1983, Katalog 25,– Mark) .. Ernst Busche

Wuppertals "Klaus Simon, Skulpturen"

Vor vier Jahren stellte sich Klaus Simon zum erstenmal in Wuppertal vor, noch als Student der Düsseldorfer Kunstakademie im Verband der Klasse von Klaus Rinke. Vier Wochen lebte Simon damals in einem Zelt vor dem Museum, suchte durch Gespräche über Kunst Kontakt mit den Ausstellungsbesuchern. Seine ersten plastischen Arbeiten als freier Künstler waren direkt auf bestimmte Orte und Situationen in Landschaft und Räumen bezogen. Jetzt geht Simon mit neuen Skulpturen aus Kiefernholz den entgegengesetzten Weg. Er bringt seine formal an die minimal art anknüpfenden Spindeln, Stelen, Rippenkonstruktionen in Bootsform in "verschiedene Situationen". Damit beginnt für ihn der "wichtige Abschnitt der Arbeit". Denn diese genau berechneten, technischen Körper verwandeln sich in unterschiedlicher Umgebung: Auf dem Boden noch eine stabile Spindel, wird sie auf einem Haufen von Sägespänen im Wuppertaler Museum zum abgestützten Flugobjekt oder gestrandeten Schiff. Auch die Holzfigurationen aus Balken, puzzleartig zusammengesetzt und miteinander korrespondierend, oder die kleineren organischen Stücke ("krautiges Gemüse, Fischleiber, Schlangen oder Würmer"), ohne Entwurf geformt aus dem Material: Sie lassen sich allesamt verändern, sind offen in der Form, offen für Erlebnisse und Erfahrungen, Empfindungen und Erinnerungen, sind angewiesen auf die Phantasie des Betrachters. Diese Skulpturen, grenzüberschreitend "zum Handhaben", wie Simon sagt, bestätigen die Konsequenz seiner künstlerischen Arbeit: von den Zeltaktionen bis heute. (Bis zum 31. 12. im Wuppertaler Von der Heydt-Museum, Turmhof) Anne Linsel

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: "Yves Tanguy – Europäische Retrospektive" (Staatliche Kunsthalle bis 2. 1. 1983, Katalog 38 Mark)

Berlin: "Zeitgeist – Internationale Kunstausstellung Berlin 1982" (Martin-Gropius-Bau bis 16. 1. 1983, Katalog 38 Mark)