Von Jörn Kraft

Öffentliche Ämter und privates Geld geraten immer mal wieder zueinander, gelegentlich auch durcheinander. Wenn es gut geht, gibt das interessante Gegengeschäfte. Wenn es nicht gut geht, gibt das politisch-moralische Affären. Die Stichworte dieses Jahres heißen "Neue Heimat", "Parteispenden", "Langenrain".

Die Umstände solcher Affären sind kompliziert, das Muster aber ist einfach. Es heißt Bereicherung. Bereicherung unter Nutzung der besonderen Chancen, die ein mehr oder weniger öffentliches Amt bietet. Daß einer, der in Amt und Würden ist, an Amt und Würden nicht genug hat, sondern dieselben als Kapital betrachtet, mit dem sich spekulieren läßt, das ist nicht ungewöhnlich. Tüchtigkeit im Amt und Geschäftstüchtigkeit mittels des Amtes gelten in Ost und West für durchaus vereinbar. Eine öffentliche Moral, die dergleichen grundsätzlich und dabei glaubhaft verabscheut, ist so leicht nicht auszumachen.

Hierzulande ist es vor allem das Nebeneinander von hoheitlichen und privatwirtschaftlichen Aufgaben, was Raum schafft für Spekulanten. Keine öffentliche Hand, die sich nicht auf die eine oder andere Art ins kommerzielle Geschehen mengte. Wo aber öffentliche und private Hände sich verschränken, da wird allemal ein wenig umverteilt, und selten anders als von Gemeinnutz zu Eigennutz.

Empörend? Oder nicht anders zu erwarten in einer Welt, die zahlenmäßigen Erfolg in so vielerlei Gestalt gutheißt und prämiert? Auch wenn er auf laxe Art und krumme Tour zustandegekommen ist?

Die großen Skandale stehen nicht einzig in der Landschaft, die haben ihr alltägliches Umfeld. Der aufklärende Journalist zum Beispiel, der dem großen Skandal nachrecherchiert, setzt die Missetäter öffentlicher Normenkontrolle aus. Er selber aber rechnet vielleicht Reisekosten und Spesen ab, daß sich die Balken biegen, und sieht zu, daß er seine heiße, heikle Ware unterderhand doppelt und dreifach vermarktet.

So ist das eben, möchte man sagen, und so war es schon immer. Was durch Menschenhände geht, bleibt nicht auf gerader Bahn.