Rund 90 Prozent aller Lawinenunglücke werden von den Skiläufern selbst verschuldet. Jeden Winter droht die Gefahr, daß Tourenläufer vom Schnee verschüttet werden. Wer auf Tour geht, sollte sich der Lawinengefahr bewußt sein.

Mit ungeheurer Kraft geht manche Lawine zu Tal, reißt Bäume und ganze Häuser mit sich. Sicherlich sind die Schneemassen, die ein unvorsichtiger Skiläufer loslöst, meist "harmloser", doch können auch diese Lawinen einen Menschen verschütten und töten, besonders im Frühjahr, wenn die Sonne den Schnee aufweicht.

Wer sich zu einer längeren Tour durch den Schnee aufmacht, sollte sich vor Auswahl des Ziels unbedingt über die Lawinenlage informieren. örtliche Lawinenwarndienste (meist in den Polizeistationen) geben Auskunft. Außerdem werden Lageberichte und Warnungen über den Rundfunk, das Fernsehen und die Presse bekanntgegeben. In den deutschsprachigen Alpenländern warnen auch täglich aktualisierte Telephondienste (siehe Liste). Sperrschilder weisen auf den Pisten und im Bereich der Lifte auf mögliche Lawinengefahren hin.

Erfahrene Tourenskiläufer haben unterwegs stets einen "Pieps" dabei, ein Gerät, das, bei einer Tour auf Empfang, gestellt, Töne von sich gibt, die den Rettern bei einer möglichen Verschüttung die Suche erleichtern. Dieser "Pieps" darf aber nicht etwa im Rucksack verstaut werden, die Anoraktasche ist der richtige Platz. Hilfreich ist auch die lange Lawinenschnur, die der Skiläufer bei der Tour hinter sich herzieht und die bei einer Rettung die richtige Spur weist.

Jedes fünfte Lawinenopfer stirbt bereits beim Verschütten; nach einer halben Stunde haben noch 60 Prozent der Eingeschlossenen eine Überlebenschance, nach einer Stunde 40 Prozent. Nach zwei Stunden in einer Lawine sind nur noch zehn Prozent der Verschütteten am Leben, wer nach fünf Stunden noch nicht gefunden wurde, hat keine Chance mehr. Eine Übung auf dem Zugspitzplatt zeigte, daß eine Rettungsmannschaft mindestens 30 Minuten braucht, um den Verunglückten zu orten, zumal die meisten Lawinen bei schlechtem Wetter losgelöst werden.

Nützen alle Vorsichtsmaßnahmen nichts, kann der Tourenskiläufer es mit einer Schußflucht schräg nach unten aus dem Schnee hieraus versuchen. Ist dies nicht mehr möglich, sollte er zusehen, daß er möglichst schnell die Skistöcke, Rucksack und dann die Skier los wird, um nicht noch stärker im Schnee festgehalten zu werden.

Der Skiläufer kann versuchen, sich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche der Lawine zu halten. Gelingt dies nicht, sollte er sich noch vor dem Stillstand der Schneemassen (die bis zu 30 Sekunden in Bewegung sein können) zusammenkauern und die Arme vor das Gesicht halten, um so einen Raum zum Atmen zu schaffen. Bei Selbstbefreiungsversuchen verbraucht der Eingeschlossene zuviel Kraft und Sauerstoff.