Letzte Runde im Streit um die Stahlwerke an der Saar

Von Heinz-Günter Kemmer

Wer sich vor den Werkstoren der Arbed Saarstahl GmbH umhört, findet bei den Arbeitern durchaus Bereitschaft zu Opfern; aber er hört auch Zweifel daran, daß ausgerechnet ein zusätzlicher Beitrag der Belegschaft das gebeutelte Unternehmen retten könnte.

"Wenn wir vor die Frage gestellt werden", so ein Mitarbeiter des Werkes Neunkirchen, "ob wir den Arbeitsplatz verlieren oder auf das halbe Weihnachtsgeld verzichten wollen, dann ist die Antwort klar". Die Umstehenden nicken zustimmend. Aber sie glauben wie ihr Wortführer nicht daran, daß dies die Alternative ist.

Als gestandene Gewerkschafter sind sie vielmehr der Meinung, daß es der Bundesregierung darum geht, an der derzeit schwächsten Stelle einen Einbruch in die Tariffreiheit zu erringen, um später auch bei anderen in Not geratenen Unternehmen nach dem "Muster Saarstahl" ähnliche Opfer zu erzwingen.

Mit dem Verdacht stehen sie übrigens nicht allein. Ginge es nur um Saarstahl, wäre wohl auch die IG Metall zu einem Eingriff in das bestehende Tarifsystem bereit. Deshalb wollen die Arbeiter sich nicht von Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lamsdorff vorschreiben lassen, wo sie ihre Opfer zu erbringen haben. Eine tarifvertragliche Regelung, die zu einer Halbierung der Jahressonderzahlung, wie dies offiziell heißt, für 1983 und 1984 führt und das Geld dem Unternehmen bis 1986 als zinsloses Darlehen beläßt, lehnen sie und ihre Gewerkschaft ab.

Kurt Hartz, der Bevollmächtigte der IG Metall in Völklingen – dem Sitz der Arbed Saarstahl – hat keinen Zweifel: "85 Prozent der Mitarbeiter stehen hinter ihrer Gewerkschaft." Aber er gibt zu, "daß die Leute durch die laufenden Erpressungsversuche der Bundesregierung beunruhigt sind". Und den saarländischen CDU-Ministerpräsidenten Werner Zeyer reiht der SPD-Landtagsabgeordnete Hartz gleich bei den Erpressern mit ein.