Hurra, sie sind da! Pünktlich zum 1. Dezember eroberten die "Außerirdischen" die Spielwarenabteilungen der großen Warenhäuser Galeries Lafayette, Samaritaine und Printemps. An diesem Tag liefen auch in einigen hundert Kinos in Paris und in der Provinz der amerikanische Film "E. T." an, der mit seiner Geschichte von den Erlebnissen eines Weltraumwesens auf der Erde in den USA seit dem Sommer alle Rekorde schlägt und mit mehr als 300 Millionen Dollar schon das Dreißigfache der Produktionskosten eingespielt hat.

Dem Start in Frankreich, dem in den nächsten Wochen Erstaufführungen in anderen europäischen Ländern folgen werden, ging eine Werbekampagne voraus, wie sie nur sehen für einen Film angelegt wurde. Nicht nur der Film, auch die Kommerzialisierung seiner Hauptfigur, der lederhäutigen, runzligen Puppe mit den großen, treuherzigen Augen, soll in Europa zum Kassenschlager werden. "E. T.", das in Amerika Mickymaus und Snoopy aus der Gunst der Kinder verdrängt, gibt es als Star eines Videospiels, als Aufkleber, als Aufdruck auf T-Shirts, als Held in Bilderbüchern und vor allem als Puppe zum Anfassen. Rund 40 Millionen Dollar wird das Unternehmen, welches die Urheberrechte an "E. T." vergibt, allein bis Ende dieses Jahres aus der Vermarktung des Leinwandgeschöpfs einnehmen.

In Frankreich, das jetzt von einer Million "E. T."-Puppen überschwemmt wird – das Stück für umgerechnet 36 Mark – wäre aus diesem schönen Nebengeschäft fast nichts geworden. Laurent Zilberberg, der 23jährige Pariser, der im Sommer nach hartnäckigem Kampf von der Herstellerfirma in Los Angeles das Alleinvertriebsrecht für Frankreich zugesprochen bekam, sammelte nämlich erst einmal die gleichen schlechten Erfahrungen, wie sie etwa die Hersteller von Video-Geräten auf Geheiß von Außenhandelsminister Michel Jobert machen. Da die Puppen in Taiwan und Südkorea produziert werden, die Einfuhrkontingente aus diesen Ländern aber ausgeschöpft sind, stellte sich der französische Zoll stur. Nicht mehr als zehn bis fünfzehn Puppen im Monat wurden hereingelassen. Das große Geschäft schien geplatzt.

Zilberberg ließ sich freilich nicht entmutigen. Nach vielen Bemühungen gelang es ihm, eine "E. T. "-Puppe mit Begleitschreiben auf den Schreibtisch von Staatspräsident François Mitterrand zu lancieren. Es sei unverständlich, hieß es in dem Brief, daß ein Geschäft, an dem immerhin zwanzig Arbeitsplätze hingen, zum Mißerfolg verurteilt sein sollte. Mitterrand begriff und erteilte dem für den Zoll zuständigen Budgetminister Laurent Fabius eine kurze Anweisung, die Weltraumpuppen am Einmarsch nach Frankreich nicht mehr zu behindern. Für wie lange hat "E. T." mit seinem sanften melancholischen Blick den bösen Geist des Michel Jobert aus dem Elysee-Palast vertrieben?

Hans-Hagen Bremer