Am Mittwoch vergangener Woche ist der erste Generalinspekteur der Bundeswehr, General a. D. Adolf Heusinger, im Alter von 85 Jahren gestorben.

Heusinger war fast ein halbes Jahrhundert lang Soldat. Er hat die Uniformen des Kaiserreichs, der Reichswehr, der Wehrmacht und schließlich der Bundeswehr getragen. An der Front stand er als junger Leutnant nur während des Ersten Weltkrieges. Noch gegen Ende der Weimarer Republik wurde er in den Generalstab übernommen, dem er ununterbrochen bis zum Spätsommer 1944 angehörte.

Als die Bombe des Grafen Stauffenberg am 20. Juli 1944 in Hitlers Hauptquartier explodierte, stand Heusinger – als Chef der Operationsabteilung des Heeres – mit am Lagetisch. Er wurde verletzt und bald darauf von der Gestapo unter dem Verdacht der Mittäterschaft verhaftet. Doch Heusinger war nur Mitwisser, kein Teilnehmer an der Verschwörung gegen den "Führer", und auch das konnten ihm die Schergen nicht nachweisen.

Ein Jahr nach der Gründung der Bundesrepublik bestellte Bundeskanzler Konrad Adenauer die Generale Heusinger und Dr. Speidel – den einstigen Stabschef Rommels – zu seinen militärischen Beratern. Beide wirkten maßgebend am Aufbau der Bundeswehr mit; beide erhielten im November 1955 die ersten Bestallungsurkunden als Generalleutnants. Zwei Jahre später wurde Heusinger das neugeschaffene Amt eines Generalinspekteurs der Bundeswehr übertragen.

Als oberster Soldat hat Adolf Heusinger nicht die Anerkennung bei der Truppe gefunden, die er sich erhofft haben mag. Dazu fehlten ihm der militärische Schwing und wohl auch das, was man gemeinhin eine"Führerpersönlichkeit" nennt. Seine Stärke lag auf strategischem Gebiet, in der Planung und Organisation. Seine grundsätzliche politische Zurückhaltung mag es erklären, daß er lange brauchte, ehe er sich – am 15. Jahrestag des Attentats auf Hitler – vor der Truppe zu dem Widerstandsakt als "einem Lichtpunkt in der dunkelsten Zeit Deutschlands! bekannte.

Heusinger blieb nur drei Jahre Generalinspekteur. Dann wählten ihn die Stabschefs der Nato zum Vorsitzenden des Ständigen Militärausschusses des Paktes mit Sitz in Washington. Damals galt im Bündnis noch die Strategie der "massiven Vergeltung". Heusinger entwickelte sich in seiner Washingtoner Zeit zu einem der Vordenker der Strategie der "flexible response", die freilich erst geraume Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst – 1964 – zur offiziellen Nato-Doktrin wurde und dies bis heute geblieben ist. Hans Schueler