Das Gold der Dächer funkelt schon in den Wolken – so hoch, gleichsam allem Irdischen entrückt, liegt Wat Phra That Doi Suthep, Thailands kostbarster Tempel im Norden über der Stadt Chiang Mai. Seitdem täglich Touristen-Busse Hunderte von Menschen auf die Bergspitze karren, ist es freilich um die Stille des Ortes geschehen und auch um dessen Würde. Weder Hinweise in Broschüren noch Mahnungen von Reiseleitern vermögen europäische und amerikanische Menschen anzuhalten, die religiösen Stätten ihres Gastlandes zu achten. Hemmungslos lärmend, rücksichtslos photografierend und weiß und nackt an Arm und Bein – so präsentieren sich die Vertreter der westlichen Zivilisation. Einige haben die Mönche und Nonnen von Wat Phra That Doi Suthep inzwischen geknipst und die "Schnappschüsse" auf ein Eingangsplakat geklebt: "Nicht mit unpassender Kleidung den Tempel betreten." Doch was als Anklage gedacht sein mag, ist noch heute für viele Besucher nur eines: Spiegelbild (Syz).

Aufnahme: H. Holm