Hamburg

Armin Scherrer starb am 1. Dezember abends. Sein Tod reizt zu Spekulationen. Hatte sich der Küchen- und Restaurantchef zu viel zugemutet, als er, 38jährig, das Landhaus an der Elbchaussee kaufte, ausbaute und zu Hamburgs erster Adresse für Gourmets machte? Gibt es im kargen, sparsamen Norden Deutschlands genügend finanzkräftige Gäste, um ein großes Speiselokal so hohen Ranges täglich zu füllen? Ging Scherrer an seinen Sorgen kaputt?

Sein Arzt sagt, das sei alles Unsinn. Scherrer sei nie zuvor ernsthaft krank gewesen und plötzlicher Tod durch Embolie – das könne jedem von uns passieren. Dazu paßt, daß Armin Scherrer nichts zu viel werden wollte. Als er die Nordsee-Insel Sylt für sich entdeckt hatte, legte er sich dort nicht faul in die Sonne, sondern entwickelte den Ehrgeiz, in der Kampener "Kliffs Herberge" der Insel einen Leitstern für gute Küche zu setzen. Die Gäste, die dort am 30. Juli Geburtstag mit ihm feiern durften, konnten nicht ahnen, daß dieser, sein 44., auch sein letzter sein sollte.

Armin Scherrer war wie Shakespeares Yorick ein Bursche von unendlichem Humor; er war außerdem ein Meister der Kochkunst, ein Genie der Freundschaft, gebündelte Gutmütigkeit. Die Hansestadt verdankt ihm mehr als manchem Politiker oder gefeiertem Künstler. Darüber, was Kochen mit Kunst und Kultur zu tun hat, könnten wir von den Franzosen viel lernen. Dafür, daß Hamburg neuerdings auf einer kulinarischen Landkarte der Kochkunst überhaupt eingetragen ist, hat als erster Armin Scherrer gesorgt. Leo