Geht die Sowjetunion auf die Avancen asiatischer Staaten ein?

Von Andreas Kohlschütter

Islamabad/Delhi, im Dezember

Vierzig Minuten, so stoppten die Kreml-Chronisten, widmete der neue sowjetische Parteichef Juri Andropow beim Breschnjew-Begräbnis dem nicht gerade als Russenfreund bekannten pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq. Vier Minuten ließ der Erbe Breschnjews die prominenten Trauergäste aus aller Welt warten: So lange dauerte sein demonstrativer Händedruck mit dem chinesischen Außenminister. Vierundvierzig Minuten, die die Welt veränderten? Neue Chancen für eine Lösung des Konflikts in Afghanistan?

In Islamabad lobte der geschmeichelte Militärdiktator Zia das "äußerst ertragreiche" Kreml-Gespräch über Afghanistan und erklärte zuversichtlich: "Unter Andropows Führung erwarten wir frischen Wind und Flexibilität." In Peking zeigte sich Außenminister Huang Hua "optimistisch" und beschwor die Möglichkeit "einer echten Verbesserung" der chinesisch-sowjetischen Beziehungen. "Schritt für Schritt", durch "gemeinsame Anstrengungen" – also auch durch Konzessionen Chinas – müsse die Normalisierung vorangetrieben werden. Beides – Afghanistan und der sowjetisch-chinesische Gegensatz – sind eng verbunden.

Chinas starker Mann, Deng Xiaoping, bekannte sich inzwischen offen zur Politik intensivierter Kontakte mit Moskau. Ministerpräsident Zhao Zyiang bestätigte die durch Breschnjews Versöhnungsreden vom März und September dieses Jahres in Gang gesetzten Normalisierungs-Versuche und identifizierte die Hauptprobleme: massive sowjetische Truppenkonzentration an der chinesischen Nordgrenze; Moskaus Unterstützung für die vietnamesische Besetzung Kambodschas und die andauernde Militärokkupation in Afghanistan.

Übereinstimmend wird die militärische Entkrampfung im sowjetisch-chinesischen Grenzbereich als "relativ leicht zu knackende Nuß" bezeichnet. So tat denn schon im Oktober ein hoher Moskauer ZK-Funktionär kund, daß die Sowjetunion bereit sei, ihre Truppen aus der Mongolei heimzuholen, falls diese keinen Einspruch erhebe. Ende Oktober, "zufälligerweise" kurz nach einer Ulan-Bator-Visite des stellvertretenden sowjetischen Verteidigungsministers, Marschall Sokolow, wurde der mongolische Verteidigungs- und Generalstabschef überraschend abgesetzt. Hielt er zu lange – russischer als die Russen – an einem überhoben Feindbild von der "chinesischen Gefahr" fest? Nach Andropows Amtsantritt gab jedenfalls ZK-Mitglied und Prawda-Chef Viktor Afanasyew einer Absprache über "gegenseitige Verminderung der Streitkräfte in Grenzregionen gute Chancen – was Peking seit 1979 verlangt.