Die Zähne sind ein wesentliches Instrument des Politdarstellers. Die Beziehung zwischen Politik und Zähnen ist bisher leider noch nicht oder nur wenig erforscht, aber wir wissen, daß das Zahnhandwerk eine Wahl entscheiden kann. In einer vom Gesundheitswahn besessenen Welt kann man von den Leuten nicht erwarten, daß sie an verfaulte Backenzähne und schlechtsitzende Gebisse, beispielsweise aus Holz wie im Falle George Washingtons glauben. Wie wir von Freud & Co. gelernt haben, sind Zähne Symbole der Macht. Beißen ist, wie die Macht, ambivalent, indem es Schmerz oder Lust bereitet. Wir alle würden von einer vergleichenden Studie über Zähne in unserer Zeit profitieren, wenn man darin so prominente Beispiele wie Carter oder Schmidt behandelte und auf die schrecklichsten Reißzähne des Jahrhunderts, die von Teddy Roosevelt, zurückgriffe, mit seinem fletschenden Rat für angehende Imperialisten – sei wachsam, aber nimm einen großen Stock mit. Liberaler Enttäuschung über Begin hätte man durch ein sorgfältiges Studium seiner Bezahnung zuvorkommen können.

George Tabori: "Staats-Theater oder das satte Lächeln vom Tiger". Aus dem neuen "Kursbuch", Thema: "Macht".

Marty Feldman

Sein letzter Film läuft nächste Woche bei uns an: "Slapstick", nach einem Roman von Kurt Vonnegut. Da spielt er zusammen mit Jerry Lewis: ein Gipfeltreffen der großen Grimassenschneider. Marty Feldman, nach einem Autounfall 1961 mit einer Schilddrüsen-Überfunktion geschlagen, kam durch diese Mißgunst der Natur zu seinem komischen Markenzeichen: den monströsen Glubschaugen, die kein Maskenbildner hätte erfinden können. Aber Feldman, dessen erste Fernseh-Serie "Marty" ihn 1968 zum populärsten Clown Englands beförderte, war mehr als ein hektischer "Freak": ein intelligenter Anarchist des Alltags mit den Manierismen eines bösartigen Kindes. Er spielte in Filmen wie Richard Lesters "Danach" und Mel Brooks’ "Frankenstein Junior". Auf den Spuren des Genre-Parodisten Brooks drehte Marty Feldman "The Last Remake of Beau Geste" (Drei Fremdenlegionäre): eine heftige Satire auf das klassische Fremdenlegionärs-Abenteuer. Am Donnerstag letzter Woche starb Marty Feldman bei Dreharbeiten in Mexiko. Er war 49 Jahre alt.

Saurer Regen im Zeitschriftenwald

Letzte Woche war es der Merkur, der seine Leser und den Buchhandel informierte, es würden jährlich nur noch acht statt bisher zwölf Hefte der einstigen Monatsschrift erscheinen. Diese Woche kommt der Brief von den Frankfurter Heften; diese mit dem Namen Eugen Kogon unverwechselbar verbundene Zeitschrift, seit Jahrzehnten eine wichtige Stimme des Korrektivs gesellschaftspolitischer und kultureller Entwicklungen der Bundesrepublik, versucht mit dem Mut nach vorne – Erweiterung des Herausgebergremiums – das aufzuhalten, was die Reaktion so benennt: "die bedrohliche Abwärtsentwicklung des Abonnentenstands der Zeitschrift, die ihre Ursachen in den scharfen Kürzungen der Kulturetats sowie zunehmend im Zeit- und Geldmangel der Leser hat". Das ist ein weiterer Beweis dafür, daß die Klage über die gekürzten Bibliotheksetats nicht larmoyantes Geweimere in "Scenen-Kneipen" ist, sondern das Annoncieren einer echten Gefahr: Die Zeitschriftenkultur, Experimentierfeld für Talente und dem, ist eine der wesentlichen Voraussetzungen freier und öffentlicher Debatte. Sie zu reduzieren, ist Umweltzerstörung.

Saurer Regen im Zeitschriftenwald (II)