Die Möglichkeiten des Deutschen, durch Vor- und Nachsilben wie durch Aneinanderreihen von Wörtern neue Wörter zu schaffen, sind berühmt und berüchtigt.

Wir spielen auf einem Platz. Wir bespielen einen Platz. Der Platz erweist sich als bespielbar. An seiner Bespielbarkeit besteht kein Zweifel. Seine Unbespielbarkeit hätte ja durch eine Unbespielbarkeitserklärung angekündigt werden müssen, vielleicht von einem Unbespielbarkeitserklärungszuständigen.

Lassen wir die lieben langen Wörter. Es gehe um das Präfix „be“, das so harmlos aussieht und dennoch die Kraft hat, aus Menschen willenlose Objekte zu machen. Du glaubst zu handeln, und du wirst behandelt.

In den harmloseren Fällen ist dieses „be“ nur überflüssig, Zeichen des Schwulstes einer aufgeblähten Sprache. „Behindern“, „befürchten“, „befestigen“ heißen meistens nichts anderes als hindern, heißen ten, festigen. Wir danken nicht mehr, wir „bedanken“ uns. Und mancher, der gern gegrüßt würde, findet sich statt dessen „begrüßt“. Es ist schon „atemberaubend“, obwohl atemraubend besser und richtiger wäre, denn es ist ja nicht der Atem, der beraubt wird.

Solange die Arbeit an einer Sache direkt und transitiv darauf gerichtet, die Sache dann also bearbeitet wird, ist dagegen nichts einzuwenden. Erst bei der Bearbeitung von Menschen ist Vorsicht geboten. Wo es sich um „becircen“ und „betören“ handelt, sind Männer bereit, solche Behandlung zu ertragen. Beschimpfen und betrügen lassen sie sich weniger gern; aber daran ist das „be“ unschuldig, wenn wir es mit so Unerfreulichem wie Schimpf und Trug verbinden.

Heimtückischer ist da schon „kriegsbeschädigt“. Den so „Behinderten“ hat der Krieg Schaden zugefügt, er hat sie geschädigt, aber nicht beschädigt.

Das „be“ macht andere Menschen zum Objekt unseres Wollens, ob wir sie nun betasten oder beurteilen, befriedigen oder beunruhigen, bedrücken oder benutzen, beherrschen oder bevormunden; ja, auch dann, wenn wir sie „belobigen“ oder belohnen (wer belohnen kann, kann auch bestrafen).