Wo allzu gleißendes Licht indignierte Blicke vom frischen Buttercremeton der Wandbespannung auf schmutzverfleckte Auslegware lenkt – die Veranstaltung setzt auf karge Nüchternheit, der auch ein in stumpfem Petrolblau angestrichenes Preziosenkabinett kaum Farbe verleiht –, stellt sich die Frage nach ästhetischer Aufbereitung eines durch die Bibel geheiligten Motivs. "Siene, dann kamen Weise vom Morgenland ... und taten ihre Schätze auf und schenkten Gold, Weihrauch, Myrrhe." Das knappe Wort, von der Legenda aurea mit fabulösem Rankenwerk um die Namen Caspar, Melchior, Balthasar gelegt, "Könige aus dem Geschlecht Balaams", Magier und Zauberer, "welche groß sind in Weisheit", wird zum Auslöser einer rauschhaft zelebrierten Ausstellung.

Malerei der Spätgotik bis zum Hochbarock feierte, unter Vorwand frommen Glaubenseifers, Pomp und Pathos einer sich durch Wunschdenken ins unermeßlich Luxuriöse gesteigerten Phantasmagorie, die sich am assoziativen Begriffspaar von Schatzträgern und Morgenland berauschte. Unter schwelgerischem Pinsel, dem keine irdische Gestaltung zu sinnlich und zu erdrückend war, entstanden wahre Opernszenen, deren Protagonisten, im Gewimmel ihres Gefolges, ihrer Rösser, wie um den mittelalterlichen Gedanken von der Schnödigkeit allen menschlichen Fleisches zu umkleiden, als prachtvolle Mannequins ausstaffiert wurden. In tänzerischen Posen, Schönheit männlichen Wuchses, kräftiger Schenkel und geschweifter Waden offenbarend, von breiten Schultern extravagante burgundische Hoftracht in schleppendem Fall herabsinken lassend, Hutkronen und Seidenturbane auf stolzen Köpfen balancierend, juwelenbesetztes Geschmeide im dunkelhäutigen Ohrläppchen. Balthasar als der Geliebteste übertrumpft neben Caspar und Melchior jeden Zeffirelli-Othello. Schließlich repräsentiert die Trinitas – zum erstenmal erwähnt Origines von Alexandrien (3. Jahrhundert) – durch ihre Nähe zum Kind von Bethlehem das von Gott eingesetzte Königtum: Ad maiorem dei gloriam durfte den Gaffern in kalten, Kirchenhallen ein Abglanz des himmlischen Paradieses vor Augen geführt werden.

O felix Colonia – seit 1164 der Reichskanzler und Kölner Erzbischof Rainald von Dassel zum Dank für tatkräftige Mithilfe bei der Einnahme von Mailand durch Barbarossa die Gebeine der "dry hillige konyngen" an den Rhein überführen durfte, dünkte sich die Stadt der Nabel des Weltgeschehens. Begaben sich doch die in Aachen gekrönten Monarchen auf Wallfahrt nach Köln zum berühmten Dreikönigsschrein des Nikolaus von Verdun (um 1200), in ihrem Troß "airme, ellendige pylegrimen", über deren Zahl Hospitälerverzeichnisse und Rechnungen Auskunft geben. Doch der Glanz der weit über 300 Exponate – darunter frühe Elfenbeine, illuminierte Codici, Sakralgerät, Skulpturen, Wandteppiche neben den Gemälden aus europäischen Museen von Göteborg bis Wien – geht von den großen Altartafeln aus. Hießen sie nun Jacopo nese, Tiepolo oder Rubens, Bartholomaus Bruyn, Abraham Bloemaert, Januarius Zick, seien es die Maler des Antwerpener Manierismus oder der Rembrandtschule, die Kölner Meister von Sankt Severin und die Ungenannten vom Niederrhein, aus Westfalen und Nordfrankreich: sie alle suchten einander zu übertreffen an Detailrealismus der Architekturkulissen und Prunkkostüme, Porträtähnlichkeit hochgestellter Persönlichkeiten wie Maximilian I. und Friedrich III., an Theatralik der Choreographie und Farbsymphonien mit dem immer wieder sieghaft durchbrechenden Purpur als Attribut höchster Würde.

Doch die Empfindungsvorstellungen des Betrachters decken sich durchaus mit den Zweifeln am künstlerischen Genuß des Nur-Schönen, wie sie schon Bernard Berenson äußerte, der diese "als Wirklichkeit und nicht als Kunst wirkenden Gegenstände" in ihrer gewiß beeindruckenden Kraft eher "Kopf, Herz und weniger edlen Teilen" zuordnete. Madonnensüßigkeit muß im Banalen enden. Wo die Künstler das bedenklich Zwitterhafte selbst gefühlt haben mochten, flohen sie erst recht in eine völlig veräußerlichte Horror-vacui-Malerei als Verbildlichung jeden religiösen Gedankens bis zur letzten Konsequenz, in tändelnde Allegorie und melodramatische Inszenierung eines höfischen Festes, das so gewiß nicht in Bethlehem stattfand. (Kunsthalle bis 30. Januar, Katalog 25 Mark)

Ursula Voß