ARD, Sonntag, 12. Dezember: Ausländer unerwünscht?", Film von Paul Mautner und Henri Ménudier.

In einem vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlten Film ging es um die französischen Asyl-Piaktiken, und siehe da, die auf Liberalisierung der Einwanderungsbestimmungen bedachten Sozialisten standen als Versager und opportunistische Stimmenfänger, als Opfer ihrer Prinzipien und als inkonsequente, durch die rauhe Wirklichkeit mittlerweile belehrte Verfechter eines Kampfes für die Sache der Unterdrückten da: Zuerst das hehre Wort geführt und dann "Das Ganze halt!" gebrüllt.

Ein Debakel auf der ganzen Linie also, diese Humanisierung des Asylrechts seit Mitterrands Amtsantritt? Der Betrachter am Bildschirm hätte dergleichen gern geglaubt, wenn die Autoren des Films ihm zu den schönen Bildern auch ein paar Informationen nachgereicht hätten – über die Asyl-Praktiken bürgerlicher Regierungen zum Beispiel und deren (ganz am Schluß der Sendung immerhin genannten) Versäumnisse. Welcher Art waren sie? Wer, aus welchen Ländern, wurde aufgenommen und wer abgelehnt? Wie stand es mit den politischen Flüchtlingen – und wie steht es heute damit? Nach welchen Kategorien fällen Behörden ihre Entscheidung, und wodurch unterscheiden sich diese Kategorien von den bei uns angewandten? Folter, die dem Asylbewerber im Heimatland droht – ist das, anders als für manche bundesrepublikanische Richter, für französische Stellen ein Grund, dem Betroffenen Hilfe zu leisten?

Recherchieren? Papperlapapp! Ein paar Impressionen in Marseille oder Paris oder Roubaix, ein Addieren von Austauschbarkeiten: Das war’s denn auch schon. Während die Kameras in einem ach so schönen Schwenk über die malerischen Gesichter der Farbigen glitten, wurde der sprunghafte Anstieg der Autodiebstähle erwähnt – aber verschwiegen, wie hoch die Kriminalitätsquote unter den Alteingesessenen ist; die bösen Maghrebiner kamen ins Bild, die zu allem Überfluß auch noch die bundesrepublikanischen Dokumentaristen bestohlen hatten – pardon, "beklaut" müßte es heißen; aber wie deren Rechte und Chancen in Kommunen und Gewerkschaften sind – das erfuhr der Betrachter nicht! Nichts über die Spezifika Von Aufnahmeverfahren! Nichts über Behandlungsweisen und Hilfsmaßnahmen: Gibt’s Lager, Hilfsorganisationen? Wie steht’s um religiöse Probleme und Staatsbürgerrechte? Fragen, die antwortlos blieben.

Information: Fehlanzeige. Ein Vergleich der französischen Praxis mit den Gepflogenheiten anderer Länder, Großbritanniens zum Beispiel: keine Rede davon. Zu zeigen, daß die Immigration soziale Probleme aufwirft, daß Überfremdung auch in Frankreich ein oft benutztes Wort ist – ein bißchen wenig für einen Film von fünfundvierzig Minuten. Mal hier, mal dort in trister Umgebung zu drehen und dabei Sätze zu formulieren wie "Zigeuner – das ist auch in Frankreich ein besonderes Problem" – nein, ganz so leicht sollte sich’s einer wirklich nicht machen.

Da lob ich mir die Wetterprognose: Welch ein Informationsreichtum – dargeboten in sechzig Sekunden! – verglichen mit dieser Drumrumrederei, an deren Ende der Zuschauer so klug und so töricht war wie zu Beginn.

Und die Verfasser des Films, fürchte ich, auch. Momos