Mancher der in Rom lebenden Polen mag sich gefragt haben, wer wohl der Deutsche war, der an jenem 21. Oktober 1973 dem ersten polnischen Erzbischof von Breslau, Boleslaw Kominek, ein besonderes Geschenk überreichte, als dieser seine römische Titelkirche Santa Croce übernahm. Es war Johannes Schauff, der ein Brustkreuz Papst Gregors XVI. (1831-1846) überreichte. Einst hatten es polnische Katholiken dem Pontifex geschenkt, später war es in den Besitz von Ludwig Kaas, des Vorsitzenden der katholischen Zentrumspartei, gelangt, der es seinem Freund Schauff vererbte.

„Dies soll eine symbolische Spende persönlicher deutsch-polnischer Wiedergutmachung sein“, schrieb Schauff, nannte jedoch auch ein anderes Motiv: „Die persönliche Verbundenheit mit der gemeinsamen Bemühung des letzten Jahrzehnts auf politischem Gebiet, um den Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen (1970) möglich zu machen.“ So umschrieb Schauff die Rolle, die er selbst als stiller, uneigennütziger und deshalb nie unumstrittener Vermittler gespielt hatte. Schon 1965, als er – Mitglied der päpstlichen Kommission „Justitia et Pax – Kominek dazu ermutigte, aus Rom jenen Versöhnungsbrief an die deutschen Bischöfe zu schreiben, dem freilich keine entsprechend mutige Antwort folgte. Das hat Schauff ebenso geschmerzt wie das Zögern christdemokratischer Politiker in Bonn. „Warum hat die evangelische Kirche viel positiver reagiert? Warum gibt es keine ähnlich mutigen Äußerungen wie die von Richard von Weizsäcker von katholischen Politikern der CDU/CSU?“ so fragte Erzbischof Kominek 1970 in einem Memorandum, das Schauff nach Bonn weiterleitete.

Schon 1969 hatte ihm der Primas von Polen, Kardinal Wyszynski, brieflich gedankt „für alles, was Sie getan haben und noch weiter tun, um zwischen unseren Völkern die Beziehungen auf das feste Fundament des Friedens zu bauen“. Heute, da die „Sympathiewelle für Polen“ bewundert und gleichwohl noch immer Schuld, ja „Revanche“ aufgerechnet wird (so Helmut Kohl kürzlich in Rom), sei an Johannes Schauff erinnert: einen christlichen Demokraten, der schon vor Jahrzehnten falsche Zungenschläge vermied und glaubhafte Zeichen setzte.

Hansjakob Stehle