Der Studienkreis für Tourismus hat die Urlaubsgewohnheiten der deutschen Wintertouristen untersucht- mit bemerkenswertem Ergebnis: Längst nicht alle Wintersportler stürzen auf die Pisten; Schneewandern ist der Deutschen liebstes Urlaubsvergnügen. Über die Reisegewohnheiten deutscher Sommerfrischler wissen die Meinungsforscher in ihren alljährlichen Analysen ausführlich zu berichten. Wer aber wie und wo im Winter Ferien macht – darüber gab es bisher nur Spekulationen. Jetzt hat der Starnberger Studienkreis für Tourismus in einer Studie "Verhalten und Erwartungen des deutschen Winterurlaubers" erkundet. 600 Personen, die zwischen November 1981 und April 1982 verreisten, lieferten dazu die Daten; das österreichische Handelsministerium – es hat die Befragung mitfinanziert – hat jüngst die Ergebnisse veröffentlicht.

Die Österreicher können sich freuen: 39 Prozent ihrer deutschen Nachbarn kamen, sofern sie im Winter 1981/82 ins Ausland reisten, in die Alpenrepublik – allen voran die Bayern und die jungen Leute zwischen 14 und 25 Jahren, Nahezu die Hälfte der Jugendlichen und der Bayern zog Schneespaß made in Austria jedem anderen Ferienvergnügen vor. Spanischem Sonnenschein reisten nur etwa 16 Prozent der Auslandstouristen nach. Lediglich 15 Prozent wählten Italien – hauptsächlich der Südtiroler Berge wegen. Für die Schweiz fielen nicht mehr als magere acht Prozent ab, für Frankreich gar nur vier Prozent. Relativ hoch dagegen war der Anteil jener, die Deutschland für das schönste Wintermärchen halten: Etwa 30 Prozent aller Winterreisenden blieben in der Heimat.

Winterferien sind Zweitferien, rund 60 Prozent der Befragten unternahmen auch eine Sommer-Urlaubsreise. Das erklärt auch, daß neun von zehn Urlaubern im Winter nur ein einziges Mal für längere Zeit – im Durchschnitt für vierzehn Tage – auf Reisen gingen. Eine Ausnahme machten da nur die Betuchteren (elf Prozent der Urlauber mit einem Einkommen über 3000 Mark leisteten sich zwei oder mehr größere Fahrten) und, zum größten Erstaunen der Fremdenverkehrsexperten, die Einkommensschwachen: acht Prozent der Leute, die weniger als 2000 Mark verdienten, verreisten in der kalten Jahreszeit öfter als einmal. So unternehmungslustig sind nach Ansicht der Demoskopen vor allem Schüler und Studenten. Sie nutzten in erster Linie preiswerte Angebote.

Denn vierzehn Tage Winterferien sind im allgemeinen nicht gerade billig – durchschnittlich 1093 Mark pro Person waren im vergangenen Winter für Reisevorbereitung, Fahrt, Unterkunft, Verpflegung und Nebenausgaben aufzubringen, die Spesen für Jet-Hosen und Skistiefel, Anorak und Bretter nicht mitgerechnet. Bei solchen Preisen ist es auch nicht verwunderlich, daß zum Beispiel in Österreich nur neun Prozent aller Gäste Vollpension buchten, 36 Prozent begnügten sich mit Frühstück, 33 Prozent wählten Halbpension.

Sechzehn Prozent der befragten Touristen mochten sich freilich nicht mit einem langen Winterurlaub bescheiden, sie erholten sich auch bei einer zusätzlichen Kurzreise: meist zwei bis vier Tage lang und diesmal vorwiegend in Deutschland. Wer auch da noch außer Landes strebte, bevorzugte Österreich und die Schweiz als Reiseziele.

Wie oft auch immer die Deutschen im Winter verreisten, die meisten von ihnen zog es in die weiße Pracht von Wintersportgegenden: 57 Prozent ließen sich Pulverschnee und Gipfelwind um die Nase wehen, nur knapp ein Viertel – darunter viele Ältere über 60 Jahre – bräunte sich in der Sonne "wärmerer Gebiete".

Die landläufige Meinung, daß nur Pistennärrische die Skizentren stürmen, hat die Studie aber als Vorurteil entlarvt. Schneewandern ist Sport Nummer eins geworden, ihm frönten stolze 47 Prozent der Schneetouristen. Auch die Langläufer unter den Skibegeisterten holten kräftig auf – mit 29 Prozent hätten sie ihren Sportskollegen von der klassischen Alpindisziplin (33 Prozent) beinah den Rang abgelaufen. Es sind vor allem die Jüngeren, die nach wie vor lieber die schnellen Bretter anschnallen, die Lust am Wandern auf verschneiten Pfaden steigt erst mit zunehmendem Alter.