Das kann Max Grundig nicht gefallen: Auch Politiker, die sonst wenig gemeinsam haben, machen vereint gegen ihn mobil. Sowohl die SPD-Bundestagsfraktion als auch der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Franz Josef Strauß samt dessen Bonner Landesgruppe halten Grundigs Absicht, sein Unternehmen zu über 75 Prozent an den französischen Staatskonzern Thomson Brandt zu verkaufen, für eine ganz schlechte Sache und wollen das verhindern. Sogar die Begründung ist dieselbe: Angst um die Arbeitsplätze bei Grundig.

Da das Kartellamt zur deutsch-französischen Fusion mit Sicherheit nein sagen wird, war von Anfang an klar, daß der Bonner Wirtschaftsminister – zur Zeit Otto Graf Lambsdorff – den Fall zu entscheiden hat. Unverzüglich nach ihrer Einigung mit Grundig machten deshalb die Franzosen auf höchster Ebene Druck auf Bonn. Sogar Staatspräsident François Mitterrand half persönlich dabei.

Daß sich nun hierzulande eine breite Politiker-Front gegen Thomson formiert, ist freilich nur zum Teil direkte Reaktion auf das forsche Vorgehen der Franzosen – nach der Devise: Druck erzeugt Gegendruck. Auch die beiden Großkonzerne Siemens und Philips haben, so ist aus der Branche zu hören, kräftig bei der Meinungsbildung der Politiker mitgeholfen. Einleuchtend klingt das, denn Grundig ist bei Siemens und Philips ein wichtiger Abnehmer von Bauelementen und Bildröhren. Ginge Grundig an Thomson, wäre es damit aus. Folge: Nicht nur bei Grundig, sondern auch bei Philips und Siemens gerieten Arbeitsplätze in Gefahr.

Stoppt Bonn die französische Übernahme, verliert Max Grundig freilich mehrere hundert Millionen Mark. Denn dann könnte er nur noch an Philips oder Siemens oder beide verkaufen. Der stolze Preis von nahezu 900 Millionen Mark, den Thomson zahlen will, ist dann nicht mehr zu realisieren. üth.