Aus Düsseldorf kommt, AP sei Dank, eine gute Nachricht: „Die Düsseldorfer Stadtverwaltung greift seit einigen Tagen scharf gegen. Hundehalter durch, deren Tiere die Gehwege oder Kinderspielplätze verunreinigen. Wie das Presseamt mitteilte, haben bereits siebzehn Hundehalter Bußgeldbescheide über 200 bis 400 Mark erhalten, weil sie eine Umweltverschmutzung durch ihre Tiere zugelassen oder eine versehentliche Verunreinigung nicht beseitigt hatten.“

Hundebesitzer werden das freilich keine gute Nachricht finden, denn es ist (soweit ich weiß) die erste Durchlöcherung eines in diesem Lande ungeschriebenen Gesetzes, demzufolge Hunde Menschen gegenüber insofern privilegiert sind, als sie das, was man ihr Geschäft nennt, überall in der Öffentlichkeit verrichten dürfen (daß sich Menschen auf diese Geschäftsordnung hinsichtlich des Geschäfts freiwillig eingelassen haben, widerspricht jeder Logik, denn hündische und menschliche Exkremente sind in ihrer Substanz identisch – im Unterschied, zu den freundlich vegetarischen Knödeln, die Kaninchen und Schafe hinterlassen; und daß Katzen ihre Verdauungsreste rasch verscharren, spricht für ihr gesundes Anstandsgefühl).

Zurück zum Hund, dem, wie man weiß, besten Freund des Menschen. Auch ich liebe Hunde: am meisten den großen Postkarten-Bernhardiner mit der Schnapsflasche um den Hals; und dann den zierlichen weißen Spitz von den Bildern des Vittore Carpaccio; den über alles Menschenmögliche hinaus treuen Krambambuli von Marie von Ebner-Eschenbach liebe ich schon seit Kinderzeiten; und den guten Bastard Bauschan, dem Thomas Mann in „Herr und Hund“ ein so fein ziseliertes Denkmal gesetzt hat, natürlich auch. Ich liebe sogar Hunde in der dritten Dimension: zum Beispiel Philine, den Zwergdackel, der immer Kellner anblafft; und Basti mit seinem kupferfarbenen Chow-Chow-Pelz. Alle diese Hunde allerdings waren bisher so dezent, mir die Konfrontation mit den Ergebnissen ihrer Verdauung zu ersparen.

Das marzipangefüllte Sofakissen mit den vier Beinen, das meinem Nachbarn Paul Wunderlich angehört, liebe ich schon etwas weniger, denn potentiell gehört es auch zu den Spendern jenes Unrats, der, nachdem man unfreiwillig mitten hineingetreten ist, einem zu Recht den Lustfluch „Scheiße!“ entlockt. An dieser Art Ware ist in unserer Straße, in der in Altbauwohnungen viele Menschen leben, kein Mangel. Der Gang auf dem Fußweg gleicht manchmal einem Slalomlauf: den Blick fest auf die Füße geheftet, kurvt man herum um die Absonderungen verschiedenster Quantität, Konsistenz und Couleur. Aber oft ist es dunkel, wenn man nach Hause kommt (oder das Haus verläßt), manchmal öffnet man die Wagentür, steigt rasch und ohne den prüfenden Blick aus, und schon ist es geschehen. Wenn es regnet, gerät alles ins Schwimmen, der Schnee hingegen konserviert die Dinge bis zum Frühlingserwachen.

In den großen Städten Amerikas ist es schon lange Gesetz, daß jeder Hundebesitzer auch für das von ihm gehaltene Tier verantwortlich ist, alles inklusive. Besitz verpflichtet: Wenn man in New York die Damen und Herren oder Kinder mit Schaufel und Besen oder einem dicken Stück Zeitungspapier hinter ihren Lieblingen durch die Straßen zienen sieht, dann wird man als Europäer neidisch. Gewiß, an einigen Kinderspielplätzen und Parks ist auch hier den Hunden per Schild verboten, das Bein zu heben oder ein Häufchen zu hinterlassen. Aber wer seine Kinder in solchen öffentlichen Sandkuhlen spielen läßt oder sich auf eine Wiese im Park legt, der ist selber schuld.

Was Hunde – die einzigen, die für diese Situation nicht verantwortlich zu machen sind – so hinterlassen, ist weniger spektakulär und lebensgefährlich als die Chemikalien, die in unseren Flüssen schwimmen. Deshalb kommt dieses profane hündisch allzu hündische Produkt in den grünen Pamphleten gegen die Umweltverschmutzung auch nicht vor. Aber geradezu gesundheitsfördernd ist das, was man da per Absatz unfreiwillig in die Wohnung trägt oder wo neugierige Kleinkinder mitten hineingreifen, wohl auch nicht. Von dem Ekel, den nicht die Begegnung mit der Chemikalie, sondern mit dem Hundehaufen erzeugt, nicht zu reden. Und deshalb kann man nur hoffen, daß die Düsseldorfer Ausnahme auch hier bald die Regel sein wird: jeder kehre hinter seinem eigenen Hund! Petra Kipphoff