Annehmbar

"Flammen am Horizont" von Richard Brooks, der sich mit so unterschiedlichen Filmen wie "Saat der Gewalt" und "Kaltblütig" (nach Truman Capote) in den Ruf eines aufrechten Hollywood-Liberalen brachte. In seinem berühmten Buch "The American Cinema" kreidet ihm zwar Andrew Sarris "angestrengte Ernsthaftigkeit" ("strained seriousness") an, aber zumindest in seinem neuen Film (der im Original sowohl "Wrong is Right" also auch "The Man with the Deadly Lens" heißt) bemüht sich Brooks um eine geradezu chaotische Unterhaltsamkeit. Sean Connery, gut wie immer, spielt einen Star-Reporter des amerikanischen Kommerz-Fernsehens, der, auf der Suche nach internationalen Sensationen, in einen Intrigen-Dschungel gerät, der Stoff für ein halbes Dutzend Filme hätte liefern können. Es geht um die explosive Lage im Nahen Osten, um Öl-Prinzen und Terroristen, um Ignoranz im Weißen Haus und um die Skrupellosigkeit von Fernseh-Menschen, am Ende gar um die atomare Vernichtung. Kubricks "Dr. Seltsam" und Lumets "Network" standen offensichtlich Pate bei dieser schwarzen Farce (in der auch Hardy Krüger als Waffenhändler vorkommt), aber mehr als ein vages Lamento über den katastrophalen Zustand der Welt bringt Brooks bei aller satirischen Vehemenz nicht zustande. Unter den vielen Gags finden sich immerhin einige von makabrem Reiz.

Hans-Christoph Blumenberg

Mechanisch

"Tron" von Steven Lisberger, von den Disney Studios produziert, ist die Antwort der Computer-Ära auf Disneys "Fantasia". Damals tanzten Elefanten und Nilpferde, diesmal gibt es den Tanz der Trapezoide und den Boogie der Lichtpunkte: "Tron" ist der erste computeranimierte Spielfilm. Andere Science-fiction-Filme führten in ferne Welten und auf parallele Planeten, dieser "spielt" in der elektronischen Parallelwelt eines Super-Computer-Systems, in das ein junges Video-Genie, auf der Suche nach einem vom Konzernchef gestohlenen Programm, mittels Laserstrahl des MCP (Master Computer Program) gebeamt wird. Freundlich gesonnene Computer-Programme helfen ihm in diesem Spiegelwelt-Kosmos im Inneren des Videospiels bei seinem Gladiatorenkampf, seiner metaphorischen Suche nach dem "Herz" und "Hirn" des Computers. Der 31jährige Steven Lisberger, Regisseur des Zeichentrickfilms "Dschungel-Olympiade" (1979), hat die Creme der Trickexperten versammelt – darunter Syd Mead ("Blade Runner"), Jean "Moebius" Girault (von der Comic-Zeitschrift "Heavy Metal – Schwermetall"), Harrison Ellenshaw ("Das Imperium schlägt zurück") –, die in diesem Musterbeispiel eines mechanistischen Solipsismus (die Maschine ist das Universum) Millionen Mikro-Chips zum Blühen bringen. Künftige Beispiele dieses Computergraphik-Systems könnten getrost auf "lebende" Darsteller verzichten. Den Video-Freaks, an denen die Unterhaltungsindustrie derzeit Milliarden verdient und für die "Tron" ein Kultfilm werden könnte, wird es wohl kaum etwas ausmachen. Die dann gesparten Gagen könnten in noch ausgefeilten Tricks investiert werden. Schon hier wirken die Darsteller (Jeff Bridges, David Warner) wie Zombies auf einem etwas größeren Videoschirm, den man früher einmal als Kinoleinwand bezeichnen konnte.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"Eine Sommernachts-Sexkomödie" von Woody Allen. "Die Fantome des Hutmachers" von Claude Chabrol. "Normalsatz" von Heinz Emigholz. "Yol" von Yilmaz Güney und Serif Gören. "Von Mao zu Mozart" von Murray Lerner. "Der Westen leuchtet!" von Nikolaus Schilling. "E. T." von Steven Spielberg. "Der Sanstall" von Bertrand Tavernier. "Der Stand der Dinge" von Wim Wenders.