ZEIT: Vor zehn Jahren war es ein heißer Tip vor allem für gutverdienende Selbständige, sich in die gesetzliche Rentenversicherung "einzukaufen" – der Gesetzgeber hatte ihnen damals gerade diesen Zutritt eröffnet. Mit besseren Renditeaussichten als dort konnten sie damals ihr Geld kaum anlegen. Wie gut ist heute, im Vergleich mit der damaligen Blütezeit, das Geld der Beitragszahler bei der Rentenversicherung angelegt?

Meinhold: Ich vermute, daß die gesetzliche Rentenversicherung noch immer eine der besten Möglichkeiten der Kapitalanlage bietet, wenn man es denn so nennen will. Natürlich wird einiges korrigiert, was nicht gerechtfertigt war – etwa die Anerkennung der Ausbildungszeiten so, als hätte der Versicherte damals schon entsprechend seinem späteren Einkommen Beiträge gezahlt. Trotzdem aber bleiben Beiträge zur Rentenversicherung eine gute Anlage.

ZEIT: Diese Beiträge aber werden in den nächsten Jahren ansteigen, und das müßte doch den "Zins" mindern, den sie im Alter einbringen.

Meinhold: Sicher, aber die Leistungen der Rentenversicherung werden sich nach meiner festen Überzeugung auf die Dauer nicht verschlechtern. Die Renten werden sich so entwickeln wie die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer und nicht mehr so wie die Bruttoeinkommen; sie werden also langsamer anwachsen. Und was die Erhöhung der Beiträge in den nächsten Jahren angeht, so habe ich nicht so große Sorgen wie manche anderen Beobachter.

ZEIT: Auch nicht für den Beginn des kommenden Jahrtausends?

Meinhold: Selbst wenn wir in fünfzig Jahren auf Grund des dann viel ungünstigeren Altersaufbaus der Bevölkerung die Beiträge auf dreißig Prozent der Arbeitnehmereinkommen erhöhen müssen, wäre das immer noch tragbar, wenn sich in der gleichen Zeit die Einkommen der Aktiven verdoppeln – dazu bedürfte es eines jährlichen Wirtschaftswachstums von nur 1,4 Prozent. Die Nettoeinkommen wären dann trotz der gestiegenen Beiträge höher als heute.

ZEIT: Und auch die Renten würden auch dann noch wachsen können?