Der vermutliche Auftraggeber des Papst-Attentats, der türkische Waffenhändler Celenk, ist in Sofia verhaftet worden.

Daß die Spur des Verbrechens nach oder durch Bulgarien führt, kann nicht einmal die Sofioter Regierung leugnen. Der Nebel, der das Attentat auf den Papst umgibt, hat sich durch diese Gewißheit freilich wenig gelichtet. Warum setzte sich Celenk gerade nach Bulgarien ab, als er hörte, daß international nach ihm gefahndet wird? Glaubte er sich dort sicher? Wurde er jetzt von seinen "Partnern" in Sofia, die von sich ablenken wollen, im Stich gelassen? Man munkelt, er werde an Italien ausgeliefert, während seine Frau als Garantin seiner Verschwiegenheit in Sofia bleiben müsse – just in dem Hotel, in dem der Attentäter Ali Agcan einmal wochenlang residierte.

Diese Kombination paßt gut in das west-östliche Propaganda-Duell, das der Fall ausgelöst hat. Gewiß hat Celenk auch eigene Geschäfte betrieben – auch beim Papst-Attentat? Sind aber am Waffen- und Drogenhandel, den er auf der (natürlich gut überwachten) Transitstrecke der Türken durch Bulgarien besorgen durfte, nur östliche Geheimdienste als solche beteiligt? Oder gibt es da auch ganz private Teilhaber, Polizisten, die in die eigene Tasche arbeiten? Man brauchte nicht wie der in Rom verhaftete Antonov bei der "Balkan"-Luftlinie zu arbeiten, um von den Möglichkeiten "balkanischer" Mafia zu profitieren. Konnte in solchem Dschungel nicht jeder kleine Agent mitspielen und einen Papst-Attentäter begünstigen – sogar ohne daß es die "Zentrale" wissen mußte?

Eilfertige Antworten auf solche Fragen haben in Rom bislang nur Sozialisten und Sozialdemokraten. Sie bedrängen die kaum etablierte Regierung Fanfani mit der Forderung, Italien müsse sofort seine Beziehungen zu Sofia, ja zum Ostblock abbrechen. Extra deshalb, weil auch die Spur eines Spionageverdächtigen sozialistischen Gewerkschaftsfunktionärs nach Sofia und zurück zur italienischen Terroristenszene führt? Doch Innen- und Außenminister, beide Christdemokraten, mahnen zu "Vorsicht und Besonnenheit". Der Vatikan schweigt. Er würde, so hört man, "als letzter" Konsequenzen ziehen, die, nicht nur in Polen, unabsehbare Folgen hätten.

Hansjakob Stehle (Rom)