Einer von den Stillen ist gegangen, die für die deutsche Literatur, ihr Ansehen und ihre Weitläufigkeit viel getan haben: Fritz Usinger. Hans Arp besang den lyrischen Kollegen mit den Versen: „Usinger ist der Meistersinger / der Dinge zwischen den Dingen.“ Auch wenn die Festschrift zu seinem 80. Geburtstag 1975 Geburtstagsgedichte und Grüße vieler berühmter Autoren – und ein Werkverzeichnis von mehr als 60 Büchern und mehr als tausend Einzel-Veröffentlichungen enthält: Der Essayist, Übersetzer und Kritiker betrachtete seine Stellung im literarischen Leben skeptischer in dem wohl autobiographisch zu verstehenden Gedicht „Keiner“ (aus dem Band „Galaxis“, 1975): „Keiner kannte ihn. / Keiner nannte ihn. / Nach Jahrhunderten / Sagte der Himmel: / ,Keiner!‘“ Dabei war Usinger der erste, der 1946 mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet wurde. Er ließ sich nach Jahren an Höheren Schulen seiner hessischen Heimat 1949 beurlauben, um ganz seiner literarischen Arbeit leben zu können. Er machte als einer der ersten Übersetzer und Interpreten die französischen Surrealisten bei uns bekannt und schrieb viele Arbeiten über die zeitgenössische Kunst. Die Antike, die klassische deutsche Literatur, Stefan George und die Hymniker des Expressionismus – das war sein Kanon: „Lies in Büchern, was die Dichter stiften, / Lies dein Leben lang die heiligen Schriften!“ – so beginnt ein spätes Gedicht mit dem Titel „Die Götter lesen nicht“. Am 9. Dezember ist der am 5. März 1895 geborene, von seinen vielen Freunden „FU“ genannte Dichter in seiner Wohnung auf der Burg Friedberg gestorben. R. M.