Wenn den Kultusminister der Gedanke an die große Zahl der arbeitslosen Lehrer plagt, wenn sein für die Universitäten zuständiger Kollege über die Last der Personalkosten stöhnt, bietet sich die gemeinsame Politik förmlich an: Schließung der lehrerbildenden Hochschulinstitute. Baden-Württemberg hat darum schon zwei der neun pädagogischen Hochschulen abgeschafft – Esslingen und Lörrach. Anhaltende Misere der öffentlichen Kassen, immer mehr arbeitslose Lehrer, Kontinuität der Stuttgarter Rotstiftpolitik: Darum sollen auch die PHs in Heidelberg und Reutlingen schließen.

Ministerpräsident Lothar Späth scheut immer noch die offizielle Bestätigung des Kabinettsbeschlusses – die Welle der Protestäußerungen ist zu stark. Es geht nicht um den Esslinger Mathematikprofessor, der sich wegen der Auflösung seiner PH nach Reutlingen versetzen ließ, dort sein Häusle baut und jetzt auf die neue Versetzung warten muß (als Beamter ist er ja unkündbar). Es geht darum, daß man Hochschulen schnell schließen kann, aber viel Zeit und sehr viel Geld braucht, um neue aufzubauen, wenn der Bedarf da ist. Die gut 4000 Lehrerstudenten der beiden Hochschulen könnten anderswo weiterstudieren, aber nicht immer ihre alten Fächer: Heidelberg und Reutlingen haben die einzigen Ausbildungsgänge für Sonderschullehrer in Baden-Württemberg. Blinde und Gehörlose brauchen Lehrer – auch in dem unwahrscheinlichen Fall, daß der Stuttgarter Landtag eines Tages dem Vorschlag der Grünen folgt und die behinderten Kinder in Normalschulen eingliedert.

Hochschulen, die die Schrumpfpläne der Politiker überleben, werden weiterhin mit den Reform- und Gegenreformideen aus den Ministerien und Parlamenten leben müssen. Bundesbildungsministerin Dorothee Wilms möchte noch vor der Weihnachtspause und dem Wahlkampf eine Kommission bestellen, die sich im Auftrag ihres Hauses einschlägige Gedanken machen soll. Sie denkt an Experten, nicht an Vertreter der Hochschullehrerverbände. Aber Professoren sollen es wohl sein; die Teilnahme minderbetitelter Universitätsbürger bringe die Kommission in Gefahr, zu sehr zum Spiegelbild von Gremien der Gruppenuniversität zu werden, also unpassend für hochschulpolitische Wendemanöver.

Zufrieden konnte die Ministerin eine Umfrage des Allensbacher Instituts für Debürger finden die Umstellung der Studentenförderung auf Darlehen richtig, immerhin 44 Prozent billigen die Kürzungen der Schülerförderung. Auch die Betroffenen wurden befragt: Nur 13 Prozent der Schüler sprechen davon, daß sie ihre Ausbildung jetzt vielleicht oder ganz bestimmt abbrechen würden. Erfolgszahlen für die Regierung? Die 13 Prozent wären 50 000 junge Leute zusätzlich auf dem Arbeits- und Lehrstellenmarkt. Über das Verhalten der nachrückenden Jugendlichen, die erst im Sommer 1983 oder 1984 entscheiden müssen, ob ihnen der Hauptschulabschluß genügt oder ob sie weiter lernen wollen, können die Meinungsforscher noch nichts wissen. Und daß Studenten unbeliebt sind, wußten sie schon vorher. Peter Pedell