Hamburg

Irgendwann hielt er es im "Haifischbecken" der Illustriertenredaktion nicht mehr aus. 25 Jahre als politischer Reporter waren genug. "Diplomatengeschwätz auf Cocktail-Partys, Maßanzüge von Signor Lucci aus Rom, Hemden von ‚Medison‘ an der Piazza di Spagna", pfui Teufel. Und die 150-Mark-Krawatten von Dior mochte er auch nicht mehr umbinden.

Jörg Andrees ("Andy") Elten braucht nicht mehr nach Rom zu reisen. Er trägt jetzt eine andere Uniform: weinroter Rollkragenpullover, weinrote Cordhosen, weinrote Socken. Der einstige stern-Reporter ist im indischen Poona längst Sannyasin geworden. Im Hamburger Gewerkschaftshaus sprach er als solcher letzte Woche vor etwa 600 Gleichgesinnten und ein paar "mindfuckings" wie Sannyasins Nicht-Sannyasins schimpfen. "Bewußtseinsveränderung durch Meditation als Weg zur Veränderung der Verhältnisse", lautete der Titel eines einleitenden Vortrags.

Da steht er, Deutschlands prominentester Bhagwan-Jünger, vor dem grünen Samtvorhang auf der Bühne des "Großen Saals", neben sich ein überlebensgroßes Schwarzweiß-Porträt des Gurus, und lächelt in die Menge. Er schwärmt von Bhagwans "unheimlich wachen Augen", von dessen Physis, die er als kräftig und zugleich fragil bezeichnet.

Elten über seine Lehrzeit: Zwei Dinge standen in Poona im Vordergrund, das "Aggressionspotential" sollte abgebaut und der "richtige Umgang mit Sex" gelernt werden. Denn "daß wir ein. gestörtes Verhältnis zum Sex haben, wissen wir schon seit Freud", Andy lächelt wieder, und spricht dann von "unseren Schwierigkeiten", den Denkapparat im Kopf auch einmal abzustellen. "Es ist wirklich schrecklich: Wir lesen die Zeitung und frühstücken gleichzeitig und denken dabei womöglich noch an etwas anderes." Auch mit dieser Bemerkung liegt Andy richtig bei seinem Publikum: Es lacht schallend.

Als zweite Nummer der Andy-Elten-Show ist die Vorführung eines amerikanischen Videofilms über Bhagwans neue Heimat Oregon vorgesehen. Sein geliebtes Poona hatte er letztes Jahr verlassen. In Oregon bezahlen zur Zeit 600 Menschen in orangefarbener Kleidung 40 Dollar am Tag ("mit Gruppentherapien 60 Dollar"), um dem ehemaligen Philosophiedozenten nahe zu sein.

Doch das Videogerät streikt, und es findet sich niemand, der es reparieren kann. "Das ist halt eine unserer Liebenswürdigkeiten, daß manchmal was nicht klappt", entschuldigt, ebenfalls lächelnd, die blondgelockte Lativa die Panne. Als eines der Gründungsmitglieder des amerikanischen Ashrams moderiert sie den dritten Teil des Abends: Das Publikum soll Fragen an den Jünger Bhagwans stellen.