Bei der Dresdner Bank wollte man nicht so recht raus mit der Sprache. Doch für Branchenkenner steht fest, daß sich die Bank von ihrer Beteiligung an der renommierten deutschen Hotel-Kette Kempinski trennen will. Auch der zweite Hauptaktionär bei Kempinski, die Commerzbank, will ihr Paket zur Verfügung stellen, damit kein Interessent abgeschreckt wird, der an der Mehrheit der Kempinski-Aktien interessiert ist.

Solche Interessenten scheint es mehrfach zu geben. Und einer bekennt sich auch ganz offen dazu: die Sheraton-Gruppe. Doch ihre Münchner Zentrale bekam eine Abfuhr. "Wir suchen eine andere Lösung", lautete die Antwort der Dresdner Bank. "Offenbar", so vermutet man bei Sheraton, "ziehen die Banken einen deutschen Käufer vor."

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Konkretes hatte Vorstandschef Horst Wiethüchter nicht vorzulegen, als er letzte Woche dem Aufsichtsrat sein Vorhaben zur Umstrukturierung des Zigarettenunternehmens Reemtsma vorlegte. So müssen denn die Mitarbeiter im Zigarettenwerk Hannover-Langenhagen ebenso weiter um ihren Arbeitsplatz bangen wie ihre Kollegen bei der Reemtsma-Tochtergesellschaft Roth-Händle in Lahr im Schwarzwald.

Nur die rund fünfhundert Mitarbeiter im Werk Hamburg-Bahrenfeld dürfen schon sicher sein, daß ihre Arbeitsplätze nur noch auf Zeit bestehen. Die Firmenleitung plant für das kommende Frühjahr den Ausbau ihres Berliner Werks – und neue Arbeitsplätze werden in der gesamten Branche nicht benötigt. Im stillen hatte das Unternehmen schon den Außendienst um siebzig auf etwa 220 Mitarbeiter verkleinert.

Nach der Erhöhung der Tabaksteuer am 1. Juni dieses Jahres war in der Branche der Absatz der Markenzigaretten drastisch zurückgegangen: Von fast 130 Milliarden 1981 auf nur noch gut 107 Milliarden Zigaretten im Inland. Einigen Ausgleich konnten die Hersteller im Export schaffen; und auch die Erträge blieben keineswegs auf der Strecke.

Für die Gewerkschaft Nahrung – Genuß – Gaststätten (NGG) ist das Verhalten des Branchenführers Reemtsma "ein Skandal erster Ordnung". NGG-Vorsitzender Günter Döding, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Reemtsma, lastet die rigorose Produktionsverlagerung nach Berlin, die keine Arbeitsplätze schafft, vor allem den Reemtsma-Hauptgesellschaftern Günter und Michael Herz an, Chefs der Hamburger Kaffeefirma Tchibo.