Beim Egoismus endet Europa immer häufiger: Ende voriger Woche weigerte sich Frankreich in der sogenannten "Rheinkommission" der Anliegerstaaten, einem Zeitplan zuzustimmen, ab wann das in den Rhein geleitete Salz aus den französischen Gruben reduziert werden soll. Zwar wurde schon 1976 ein entsprechender Vertrag geschlossen – aber Paris hat ihn nie ratifiziert. Nun will Frankreich an einem neuen Programm mitarbeiten, was im Klartext wohl heißt, daß die Bestimmungen für die Franzosen erleichtert werden sollen.

Sicher: Das Abraumsalz anders zu beseitigen kostet Geld. Richtig ist auch, daß vornehmlich die Niederländer unter der salzigen Rhein-Flut leiden. Aber daß die Lösung eines europäischen Umweltproblems so einfach an der Weigerung des alleinigen Verursachers zu scheitern droht, muß auch Bonn auf den Plan rufen. Geduld mit Paris hat die Bundesrepublik lange genug bewiesen, nun sollte die Regierung auch Entschlossenheit dokumentieren. Denn wenn schon in diesem Fall, in dem es keinen Zweifel an der Verantwortlichkeit gibt, eine Regelung ausbleibt – wie soll das grenzüberschreitende Problem des sauren Regens je gelöst werden? Europa hat sich nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zu bewähren. H. B.