Im südamerikanischen Kleinstaat Surinam – bis 1975 niederländische Kolonie – hat eine blutige Säuberungskampagne begonnen. Wenigstens 30 Regime-"Gegner" wurden seit Mitte voriger Woche hingerichtet.

Surinams starker Mann, Oberstleutnant Sedi Bouterse, erklärte über Funk und Fernsehen, das Militär habe nun die "volle Macht" übernommen, um einen "Staatsstreich" einer "kleinen Elitegruppe" zu verhindern. Die Zivilregierung unter Ministerpräsident Neyhorst, ein politisch machtloses, nur mit der Verwaltung beauftragtes Organ, hat ihren Rücktritt erklärt.

Die von Paramaribo verbreitete Formel, die Opfer hätten sich "der Verhaftung widersetzt" oder seien "auf der Flucht erschossen" worden, glaubt niemand. Auch an der Behauptung der Opposition, Bouterse sei jetzt ständig von Spanisch sprechenden Soldaten (also Kubanern) umgeben, sind noch Zweifel angebracht. Alles deutet darauf hin, daß sich Bouterse, heute 36 Jahre alt, seine heftigsten Gegner gewaltsam vom Leibe schafft: Gewerkschafter, Studentenführer, ältere Offiziere, konservative Politiker und kritische Journalisten.

Gänzlich unerwartet kam diese Säuberung nicht. Ende Oktober/ Anfang November hatte ein fünftägiger Generalstreik die Streitkräfte gezwungen, "bald" allgemeine Wahlen und den Rückzug in die Kasernen zu versprechen. Bouterse mußte öffentlich anerkennen, "gewisse Aspekte meines Sozialismus sind ausgesprochen unpopulär". Im Klartext: Er hatte das Land in eine Wirtschaftskrise geführt; die Arbeiter des einzigen Devisenbringers, einer amerikanischen Aluminiumhütte, konnten sich mit Erfolg dem militärischen Befehl widersetzen, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Putsche und Verschwörungen sind seit dem Februar 1980 an der Tagesordnung. Damals fiel die Macht den Unteroffizieren eher zufällig in die Hände. "Wir hatten", so sagte einer der Putschisten später, "nur eine Militärgewerkschaft verlangt und hatten plötzlich das ganze Land." Die eher hilflosen Unteroffiziere suchten Rat bei den linken Oppositionsparteien, und dann Hilfe bei Grenada und Kuba. Schritt für Schritt schlugen sie einen linken, anti-imperialistischen Kurs ein.

Seitdem hat Bouterse mit Gegnern, auch mit ehemaligen Mitstreitern, zu kämpfen. Den Haag hat aus "Entsetzen" über die Hinrichtungen bereits die Militärhilfe eingefroren und droht mit Auswirkungen auf die umfangreiche Wirtschaftshilfe, ohne die Surinam nicht überleben kann. -bi.