Zwei Milliarden Mark will die christlich-liberale Bundesregierung mit einer Zwangsanleihe den sogenannten Besserverdienenden abknöpfen, um damit den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln. Dieses Sonderprogramm, mit dem zusätzlich 40 000 Sozialwohnungen in den beiden nächsten Jahren gebaut werden sollen, entspringt der Erkenntnis, daß vor allem in den Ballungsgebieten erschwingliche Wohnungen fehlen. Dort tragen zwar Zehntausende Familien einen Berechtigungsschein für eine Sozialwohnung in der Tasche, doch das Anrecht schafft keine Wohnungen. Das Problem ist erkannt und soll gelöst werden.

Merkwürdig mutet es dann aber an, wenn der gewerkschaftseigene Wohnungsbaukonzern Neue Heimat verkündet, er wolle bis 1987 rund 30 000 Sozialwohnungen verkaufen und daran eine Milliarde Mark verdienen. Diese billigen Wohnungen werden mit staatlicher Duldung und Förderung endgültig vom Markt verschwinden. Das Sonderprogramm der Bundesregierung schafft keinen Ersatz. Denn für die neu gebauten Wohnungen müssen sehr viel höhere Mieten und höhere staatliche Subventionen gezahlt werden als für die gebrauchten Sozialwohnungen der Neuen Heimat, die jetzt den Besitzer wechseln.

Den Verkauf gebrauchter Sozialwohnungen entschuldigten die Wohnungsbaugesellschaften bisher mit dem schwachen Argument, daß der dabei erzielte Gewinn wieder für den Bau neuer Sozialwohnungen ausgegeben werde. Zumindest im Fall der Neuen Heimat trifft dieses Argument nur sehr bedingt zu. Vorstandschef Diether Hoffmann sagt ganz unumwunden, daß der angeschlagene Konzern die Gewinne vor allem braucht, um damit Verluste auszugleichen und ältere Häuser instand zu halten. Nur mit dem verbleibenden Rest werden neue Wohnungen für Sozialmieter gebaut, aber sehr viel weniger, als verkauft worden sind.

Das Nachsehen haben die Mieter und die Steuerzahler. Sie werden für die Verluste der Neuen Heimat zur Kasse gebeten. chr