Der Spion, der aus Warschau kam

Der amerikanische Geheimdienst CIA war seit Beginn des polnischen Frühlings im August 1980 weitaus besser über die Positionen und Pläne der Warschauer und Moskauer Militärs informiert, als die öffentlichen Erklärungen der Administration vermuten ließen. Das Nachrichtenmagazin Newsweek hat jetzt enthüllt, daß ein Oberst im polnischen Generalstab die CIA ständig auf dem laufenden hielt. Anfang Dezember 1980 hatte die Carter-Administration in dramatischer Form angekündigt, daß Moskaus Vorbereitungen für eine Okkupation abgeschlossen seien und die Invasion unmittelbar bevorstehe – Washingtons Mann in Warschau meldete das Gegenteil. Im vergangenen Jahr besaß der Geheimdienst bereits einen Monat vor General Jaruzelskis Militärputsch vom 13. Dezember alle Flugblätter und Instruktionen, in denen das Kriegsrecht verkündet wurde. Doch um ihren Mann an der Quelle zu schützen, informierte die CIA nicht einmal Walter Stoessel, damals dritter Mann im Außenministerium und Leiter der speziellen Polen-Kommission. Der Spion, der aus dem Generalstab kam, konnte sich der Enttarnung unmittelbar vor Verhängung des Kriegsrechts entziehen, er lebt mit seiner Familie in Amerika.

Washingtons Irrtum

Amerika hat’s nicht leicht: Nun soll auch sein berühmtestes Gemälde – Washington, den Delaware an der Spitze seiner Truppen überauerend – voller Fehler stecken. Daß der deutsche Maler Emanuel Leutze den Rhein als Vorlage für den Delaware benutzte, war bereits bekannt; nun sind drei andere Irrtümer aufgedeckt worden: "Stars and Stripes" waren damals noch nicht die "Rebellen"-Fahne. Es war auch kein klarer, heller Morgen, sondern dunkle Nacht, doch wirklich ärgerlich ist: Die Flottille fährt in die falsche (Himmels-)Richtung.

Andropow und die heiligen Kühe

Will Moskaus neuer Parteichef Jurij Andropow die heiligen Kühe des kommunistischen Informationswesens schlachten? Das Parteiorgan Prawda hat jetzt den sowjetischen Medien Mangel an Aktualität vorgeworfen, die Morgennachrichten des Rundfunks seien schon in den Tageszeitungen nachzulesen, bei den innenpolitischen Meldungen fehlten viel zu oft Formulierungen wie "heute", "vor einer Stunde", "wie unser Korrespondent soeben berichtet". Wie schwer dem neuen Parteichef freilich das Schlachten der heiligen Kühe fallen wird, zeigt ein Beispiel aus den letzten Tagen: In den baltischen Republiken und Weiß-Rußland ist eine Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, die alle Seuchen der letzten Jahre übertrifft und den Mangel an Fleisch und Milch noch stärker werden läßt. 2500 Veterinär-Ärzte arbeiten in Tag-und-Nacht-Einsätzen. Doch auf Anrufe der um Aktualität bemühten sowjetischen Journalisten hat das Moskauer Landwirtschaftsministerium bisher nur erklärt: Im ganzen Lande gebe es weder Seuchen noch Notschlachtungen. Die heiligen Kühe führen also weiter ein zähes Leben...

Falkland-Folgen

Das argentinische Militär zahlt noch immer für das fehlgeschlagene Falkland-Abenteuer, diesmal diplomatisch. Weil es in den kritischen Wochen auf jede Unterstützung angewiesen war, kam es zu einer spektakulären Annäherung zwischen Argentinien und Kuba; Buenos Aires stimmte anschließend in den Vereinten Nationen für Castros Protegé Nicaragua, als es um die Neubesetzung des Sicherheitsrates ging. Nun zieht Generalspräsident Bignone alle Militärberater aus El Salvador zurück, die auf Seiten der Regierung gegen die Guerilla eingesetzt wurden. Sehr zum Ärger Washingtons, das sich schon durch Bignones Weigemit Reagan zusammenzutreffen, brüskiert