Die neuen Investitionspläne der Industrie bringen der Stadt die notwendige Auffrischung

Die Wirtschaftskonferenz in Berlin am vergangenen Wochenende war rundum ein Erfolg, "eine vertrauensbildende Demonstration zugunsten Berlins", wie der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker sagte.

Die Erwartungen waren zunächst gedämpft. Es ging vor allem darum, den Chefs der großen Unternehmen in Westdeutschland klarzumachen, daß sie neben ihrer wirtschaftlichen und sozialen auch eine politische Verantwortung haben, daß auch sie dazu beitragen müssen, die von wirtschaftlicher Auszehrung bedrohte Stadt lebensfähig zu erhalten. Mit nennenswerten Investitionsentscheidungen war bei der gegenwärtigen Konjunktur nicht zu rechnen.

Doch die Berlin-Konferenz war gut vorbereitet. Wirtschaftssenator Pieroth und der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker hatten in den letzten Wochen bei einigen Dutzend großen Konzernen vorgesprochen. Die 122 nach Berlin gekommenen Manager lobten die konkrete Information und die Exaktheit des Ablaufs. Wirtschaftsminister Lambsdorff: "Meine Erwartungen sind durch Teilnahme, Verlauf und Ergebnisse dieser Konferenz deutlich übertroffen worden."

Nach Abschluß der Konferenz wurden 17 konkrete Projekte angekündigt, durch die mittelfristig etwa 2400 bis 3600 neue Arbeitsplätze in Berlin geschaffen werden sollen. Langfristig aber wohl mehr, denn überwiegend handelt es sich um zukunftsträchtige Wachstumsbranchen. Zu den geplanten Vorhaben gehören:

  • Neue Produktionen: eine Fabrik für Glasfaserkabel von Siemens, Kabelmetal, Philips, SEL und AEG; ein Magnetplattenwerk von Nixdorf; Fertigungen für neue Produkte der Zahnradfabrik Friedrichshafen, der Gutehoffnungshütte und der Linde AG sowie die Produktion von Anlagen für Rauchgasreinigung und Müllvergasung durch die Hölter GmbH.
  • Erweiterungsinvestitionen: bei Philip Morris, Reemtsma, SEL, Thyssen und Klöckner.
  • Verlagerungen: die Kartonagenfertigung von Reemtsma, die Brinkmann Holding und ein Geschäftszweig der Salzgitter AG.
  • Forschungsaktivitäten: bei der VEBA im Bereich der Biotechnik; Gründung eines Instituts zur Ausbildung von Schadenverhütungsingenieuren mit Unterstützung der Allianz; gemeinsame Entwicklung fortschrittlicher Produktionssysteme durch Daimler Benz, BMW und VW. Im Zuge dieses letzten Vorhabens will VW mittelfristig seine gesamte Roboterfertigung nach Berlin verlagern und nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch für den Export produzieren.

Die Entwicklung und Fabrikation moderner Produkte in Berlin ist das wichtigste Ergebnis der Konferenz. Schon wird von Berlin als einem "Mekka der Telekommunikation", einem "Zentrum der Mikroelektronik" gesprochen. Auch wenn dies ein wenig zu hoch gegriffen erscheint: eine Strukturverbesserung der Berliner Industrie und ihrer Produktpalette ist dringend nötig. Und es beginnt sich nun auszuzahlen, daß die industrielle Forschung in Berlin mit seinen Universitäten und Instituten ein optimales Umfeld hat.