Auf seiner Weihnachtsfahrt nach Washington trägt König Hussein von Jordanien mehr Fragen als Antworten im Gepäck. Meint Präsident Reagan es ernst, wenn er in seinem jüngsten Friedensplan davon spricht, auch die heimatlosen Palästinenser zu ihren "legitimen Rechten" kommen zu lassen? Wie weit kann, wie weit will Reagan das sich sträubende Israel durch Druck und Sanktionen zur Respektierung dieser Rechte zwingen? Ist ein Brückenschlag zwischen dem Reagan-Plan und der arabischen Nahost-Plattform möglich?

Der König bringt die ermutigende Nachricht mit, daß die PLO zu Nahostverhandlungen in dem von Reagan gesteckten Rahmen palästinensischer "Selbstregierung im Verbund mit Jordanien" grundsätzlich bereit ist. Nach seinem Dialog mit PLO-Chef Arafat hat Hussein zweifach grünes Licht: für eine gemeinsame jordanisch-palästinensische, nicht unbedingt von offiziellen PLO-Vertretern gebildete Delegation bei zukünftigen Nahostverhandlungen ferner für eine Konförderation zwischen dem Königreich Jordanien und "einem von der (israelischen) Besatzung befreiten Palästina" im Westjordanland.

Hussein hat also Reagan arabisches Entgegenkommen zu bieten. Die israelische Regierung hingegen verharrt gegenüber der US-Friedensinitiative in totale Ablehnung und beantwortet Reagans Empfehlung eines "Siedlungsstopps" auf der Westbank mit neuen Siedlungsvorhaben. Die Palästinenser dagegen bekennen sich unter Israels und Husseins Fuchtel nach jahrzehntelanger Verweigerung endlich zur Einsicht in die "letzte Chance" einer Verhandlungslösung. Sie werden flexibel.

Hussein kann Yassir Arafat jedoch nicht unbegrenzt bei der Stange halten. Den wohltönenden Nahostworten des US-Präsidenten vom vergangenen September müssen jetzt Taten folgen. Was not tut, ist ein konkretes Friedensengagement Amerikas im Libanon und auf der Westbank – auch wenn es Israel weh tut. A.K.