Von Hermann Bößenecker

Peter Niedner liebt die bildhafte Sprache. Und wenn der Vorstandsvorsitzende der ums Überleben kämpfenden Volkswagen-Tochter Triumph-Adler AG für Büro- und Informationstechnik (TA) in Nürnberg von seinen Konkurrenten in Fernost redet, kommt er besonders in Fahrt. Die Japaner, so formuliert er etwa, gehen nach einer "Wolfsrudel-Strategie" vor, die sich auf "europäische und amerikanische Schafe" konzentriert und diese zielbewußt aus ihren angestammten Märkten zu verdrängen versucht. Und sie halten sich, so sieht er es, an keine Spielregeln, "spielen Handball und Fußball zugleich".

Immer wenn die durch das MITI (das Industrieministerium) straff gelenkte "Japan AG" eine neue Branche erobert, agieren die Nippon-Firmen fast stets nach dem gleichen, untereinander abgestimmten Muster: Sie setzen zunächst ihre Preise herab und zwingen die im Markt bislang dominierenden Firmen, ebenfalls billiger anzubieten, wenn sie nicht an Terrain verlieren wollen. Unterdessen bauen die Japaner zu Hause Kapazitäten auf, mit denen sie praktisch den ganzen Weltmarktbedarf decken können – und warten ab, bis die etablierte Konkurrenz in Europa und Amerika Marktanteile eingebüßt oder sich, weil sie die Preise zu stark senkte, in tödliche Verluste gestürzt hat. Alsbald, so Niedners Erfahrung, könnten die Japaner ungeniert teurer werden und Supergewinne einstreichen, mit denen sich dann neue Marktschlachten in anderen Branchen finanzieren ließen.

Wenn Niedner die Feldzüge der schlauen industriellen Schlachtenlenker aus Fernost gegenwärtig so stark beschäftigen, so deshalb, weil er fürchtet, daß sie nach dem besonders bei Kameras, Uhren, Taschenrechnern, Motorrädern, Videorecordern und Werkzeugmaschinen bewährten Rezept nun auch seine Branche aufs Korn nehmen.

Denn mit der ersten Phase der Preisunterbietungen haben die Japaner bereits begonnen, obwohl sie auf diesem Gebiet vergleichsweise wenig Erfahrung und eher höhere Kosten als die führenden Firmen in Europa und den USA haben, meint Niedner, und daher "kaum wettbewerbsfähig" sind. Die Schlußfolgerung des TA-Bosses: "Die wollen uns angreifen."

Sucht man Niedners Befürchtungen auf den Grund zu gehen, so erscheint das Bild – noch – weniger dramatisch, als der Alarmruf des TA-Chefs suggeriert. Allerdings haben in jüngster Zeit die Werbeaktivitäten japanischer Schreibmaschinenfirmen zugenommen, häufen sich großflächige Anzeigen in Fachblättern und Magazinen. Auch die Preise rutschen schon auf breiter Front. Und das trifft die heimischen Produzenten an einer empfindlichen Stelle, denn den beiden großen deutschen Anbietern, TA und der AEG-Tochter Olympia, geht es derzeit alles andere als gut.

Um im Geschäft zu bleiben, macht man da schon mal besondere Preiszugeständnisse – und drückt auch dadurch das allgemeine Niveau nach unten. Die Japaner jedenfalls sehen das so. Reinhard Witte von der Brother International Corp. in Tokyo spricht von deutschen Preis-Konditionen, "von denen ich nur träumen kann" – und meint damit offensichtlich Olympia. Daß Brother kürzlich für das Topmodell einen Abschlag auf den empfohlenen Preis von siebentausend Mark auf rund dreitausend Mark verkündete, verkauft Witte denn auch als Reaktion, nicht als Kampfansage.