Für Zahlenfetischisten war es, wieder einmal, eine große Nummer: Auf 211 Tage, 3300 Erdumkreisungen, schraubten die sowjetischen Kosmonauten Beresowoj und Lebedew den neuen Raumfahrer-Rekord. Wozu nur? Das medizinische Argument überzeugt wenig. Die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit dürften mit dem, gemessen am alten Rekord, 26 Tage längeren Flug nicht ausgelotet worden sein. Und als sinnvolles Maß für Dauerflüge bezeichnete Walerij Rjumin, der selbst 185 Tage lang um die Erde kreiste, erst kürzlich einen Zeitraum von vier Monaten.

Auch der eilfertige Moskauer Hinweis auf einen geplanten Flug zum Mars, womöglich schon 1986/87 (wegen der dann günstigen Planetenkonstellation), klingt eher nach einem Raumfahrer-Wunschtraum. Eine solche anderthalbjährige Expedition würde monströse technische (und finanzielle) Probleme aufwerfen. Dabei kann die sowjetische Raumfahrt heute noch nicht einmal ihre Dauerflieger sanft und präzise zur Erde zurückbringen. Beresowoj und Lebedew jedenfalls hatten bei ihrer kasachischen Nachtlandung im Schneesturm lange, bange Momente zu überstehen.

So bleibt das militärische Motiv: die Vorbereitung für eine dauernd bemannte Raumstation. Eben dies strebt auch die amerikanische Nasa an – nicht zuletzt mit. dem Hinweis auf den russischen Vorsprung bei Dauerflügen. GH