Der eigene Wagen kostet den Privatmann viel mehr, als manche Tabelle verrät

Die Entscheidung war gut vorbereitet: Bevor die Familie sich zum Kauf des langersehnten Zweitwagens für die Ehefrau entschloß, waren Prospekte gewälzt, technische Daten verglichen worden. Besonderes Augenmerk galt dabei im Zeichen steigender Benzinpreise dem Spritverbrauch. Um ganz sicherzugehen, wurde dann noch beim größten deutschen Automobilclub, dem ADAC, eine Kostentabelle eingesehen. Zwar stammt sie aus dem Jahr 1980, aber immerhin gab sie doch einen Anhaltspunkt.

Das Ergebnis all der Rechnerei stand dann vor der Tür: Ein Fiesta von Ford. Knapp dreißig Pfennig soll er bei 15 000 Kilometern Jahresfahrleistung pro Kilometer kosten; 366 Mark im Monat müssen einkalkuliert werden. Wenn etwas weniger gefahren wird, verteuert sich zwar rechnerisch der Kilometer, aber das Monatsbudget wird insgesamt nicht so sehr belastet.

Diese Rechnung wurde jedoch ohne das Kapital gemacht. Sauber kalkuliert belastet die Familie der Zweitwagen sehr viel stärker: 663 Mark im Monat müssen selbst für einen Kleinwagen veranschlagt werden, mehr als fünfzig Pfennig pro Kilometer. Das jedenfalls haben die Fachleute des Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Vereins (Dekra) in Stuttgart errechnet, die gemeinsam mit der Schwacke Marktbeobachtung eine eigene Betriebskostentabelle herausgeben. Das weiß allerdings auch der ADAC, denn in seiner Aufstellung der Kosten eines Geschäftswagens sind die Abstände zu der Dekra-Liste bei weitem geringer (siehe Tabelle).

Diese Differenzen ergaben sich vor allem daraus, daß Peter Stöffges und Wolfgang Ziehn, die Autoren der Dekra-Liste, bei ihrer Rechnung im Unterschied zum ADAC, auch für privat genutzte Autos die Kapitalkosten voll berücksichtigt haben. Das schließt die Zinsen für die Kaufsumme ebenso ein wie den Wertverlust des Autos und auch die Teuerung bei den Neuwagenpreisen. Zwar spürt der Privatmann das nicht bei seinen laufenden Ausgaben, kalkulieren aber muß er mit diesen Beträgen trotzdem, wenn er einen exakten Kostenvergleich machen will; denn wenn er nach einigen Jahren ein neues gleichwertiges Auto kaufen möchte, muß er dafür meist deutlich mehr auf den Tisch legen, als der Altwagen früher gekostet hat. Entsprechend höher also müssen auch seine monatlichen Ersparnisse für diesen Zweck sein.

Wer dagegen seine Autokosten ohne Entwertung und Verzinsung kalkuliert, rechnet sich arm. Sein monatliches Budget ist nur scheinbar geringer belastet – das böse Erwachen kommt aber spätestens, wenn die Anschaffung eines Neuwagens ins Haus steht. Bei Stöffges und Ziehn sind jedoch – anders als beim ADAC – nicht nur deshalb die Kosten für den Privatwagen höher als die des Geschäftswagens. Sie berücksichtigen auch, daß der private Käufer den Listenpreis einschließlich Mehrwertsteuer zahlen muß. Für das Firmenauto dagegen wird die Mehrwertsteuer erstattet. Für einen BMW 525 sind deshalb die Fixkosten pro Jahr für einen Privatmann um über tausend Mark höher als für eine Firma.

Ohnehin ist nach den Berechnungen von Stöffdes und Ziehn die Verzinsung des eingesetzten Geldes und die Rücklage für den Neukauf der größte Brocken in der Autokostenrechnung. Fast die Hälfte der Gesamtkosten entfallen auf diese Posten. Für einen Zweitwagen, der ja meist weniger gefahren wird, als in den Tabellen unterstellt, vergrößert sich dieser Anteil noch mehr. Der Benzinverbrauch dagegen, wohl in jeder Diskussion um die Kosten des Autofahrens wichtigster Punkt, schlägt nur mit rund einem Viertel zu Buche. Eine Reduzierung des Spritverbrauchs um fünfundzwanzig Prozent senkt deshalb, so rechnet Wolfgang Ziehn vor, die Gesamtkosten des Autos nur um rund sechs Prozent. Die Entscheidung für ein zwar verbrauchsgünstigeres, aber teureres Auto ist deshalb oft auch die Entscheidung für eine höhere monatliche Belastung.

Zwar nicht der Monat, aber der Kilometer kommt den durchschnittlichen Autofahrer noch teurer, als in der Tabelle angegeben. Denn er fährt nur rund 12 000 Kilometer im Jahr: Selbst der Fiesta kostet dann 61 Pfennig pro Kilometer, für den BMW 525 muß sogar mit 1,27 Mark gerechnet werden. Viele Zweitwagen aber erreichen nicht einmal diese Jahresfahrleistung. Selbst Kleinwagen kommen dann wegen der unverändert hohen Fixkosten auf mehr als eine Mark pro Kilometer – da wird dann manchmal ein Taxi billiger als der eigene Wagen. Richard Gaul