Von Peter Hays

Im Grunde sind wohl alle Hotels, die wir und unsere lebhaften Töchter in den letzten Jahren besuchten, glimpflich davongekommen. Die Alarmglocke, mit der unsere damals Siebenjährige rund zweihundert Gäste um sechs Uhr morgens wecken wollte, versagte zum Beispiel den Dienst. Die Gäste, deren schwarze Schuhe sie im Gang einsammelte und in der automatischen Putzmaschine braun polierte, hatten ungewöhnlich viel Humor.

Doch irgendwann mehrten sich die Zeichen, daß wir die Gunst einst befreundeter Hotels verloren hatten. Ein ganzes Haus war plötzlich mit Sambatänzern aus Rio belegt, als wir um Zimmer anklingelten. Und auch nicht-kommerzielle Unterkunft wurde immer rarer. "Freunde", wie sie sich vor unserem Besuch nannten, meldeten sich von einer ansteckenden Tropenkrankheit befallen, als wir uns ankündigten. Beim letztenmal hatte unsere Älteste deren Warhol-Druck als unvollendet empfunden und mit zwei roten Pinselstrichen zum Beispiel früher Teeny-Pop-Art abgerundet.

Es blieben uns nur noch wenige Möglichkeiten: Ferien im Zelt? Simulierter Mallorca-Urlaub mit Strand- und Palmendias im abgedunkelten Wohnzimmer? Oder – dafür entschieden wir uns – Heimsuchung aller Verwandten in England.

Grandpa in Nottingham begrüßte uns recht herzlich. Drei Tage später jedoch spielte er schon zum Frühstück jene Fats-Waller-Kassette, mit der er sich sonst immer abends nach dem Streß der City entspannte. Bilanz unseres Aufenthaltes: eine lädierte Trauerweide, eine demolierte Wäschespinne, leichte Spannung zwischen Vater und Sohn.

Diese Präambel nur als Erklärung dafür, wieso wir neuerdings in der Blechkarawane der Wohnmobilisten mitrollen. Wohlstands-Tuareg hatten wir eigentlich nie werden wollen. Meinen kesselflickenden Freund Sean in Donegal hatte ich immer ein bißchen um seine scheinbar grenzenlose Freiheit beneidet, nie aber um den kleinen, zerbeulten Wohnwagen, in dem er mit seiner sechsköpfigen Familie an der irischen Westküste entlang zieht. Doch eines Abends, als die Sonne wie eine ausgepreßte Blutorange hinter den Reihenhäusern von London-Tottenham sank, schaukelten wir selbst in einem alten Wohnmobil, Marke Bedford, über die North Circular Road und hofften auf eine geeignete Sackgasse für die Nacht.

Als Bedford-Beduinen hatten wir endlich ambulante Ferienautonomie entdeckt, die Möglichkeit, zu Ostern, im Sommer und sogar zu Weihnachten kurzfristig bei allen Aunties, Freunden und natürlich auch bei Grandpa aufzukreuzen, uns aber auch bei steigendem Pnonpegel oder abnehmender Popularität unserer Töchter ebenso schnell und elegant ins blecherne Zuhause zurückzuziehen.