Als Kind, im Berner Oberland, spielte ich mit meinen gleichaltrigen Kameraden am liebsten Indianer... In jener Zeit muß in mir der Wunsch erwacht sein, die Indianer näher kennenzulernen“ – erzählt die heute 80jährige Gertrude Duby-Blom, die seit 39 Jahren im Süden Mexikos, in der Provinz Chiapas unter den Indianern lebt. Mit einem der letzten Emigranten-Schiffe hatte die engagierte Nazi-Gegnerin Europa verlassen; „Europa lag hinter mir“, sagt die agile und schöne alte Dame heute, die wunderbare Geschichten erzählen kann (aufgeschrieben in diesem Photoband von Sigi Höhle und Ossi Urchs): Sie berichtet von ihrer ersten Expedition 1943 zu den „wahren Menschen“, den Lacandonen, von ihren Begegnungen mit den Mythen und den Überlieferungen, den Lebensgewohnheiten und Gebräuchen der Indianer und den Mühen mit „Hax t’an“, der „wahren Sprache der Lacandonen“. Und man sieht die Photos (überwiegend mit einer einfachen Rolleiflex aufgenommen) der autodidaktischen Photographie Bilder voller Nähe und Vertrautheit, die vom – heute bedrohten – Leben und dem Alltag der Indianer erzählen. Man erfährt in diesem schön gemachten Band zwei faszinierende Geschichten: die der mexikanischen Indianer und die der Gertrude Duby-Blom, deren Leben schon so lange verknüpft ist mit denjenigen, die sie photographiert hat. (Gertrude Duby-Blom: „Das Antlitz der Mayas“; Athenäum, Königstein, 1982; 207 S., 68,– DM.) Manuela Reichart