Vieles hat sich in England seit den fünfziger Jahren gebessert, doch dazu gehören gewiß nicht die Theaterlokale. Sie sind das Sonderthema von Egon Ronays neuem Lucas Guide, dem nunmehr 25. Band des englischen Reiseführer-Papstes.

Der neue Hotel-, Restaurant- und Gasthausführer für Großbritannien und Irland ist eben herausgekommen. Neben 2580 Beurteilungen von gastronomischen Unternehmen werden, wie stets, auch etwa achtzig Bed-and-breakfast-Unterkünfte in Hotels (unter 110 Mark für zwei), Wochenendangebote landauf, landab (zwei Nächte kosten etwa von 120 bis 200 Mark), eine Liste von achtzig preisgünstigen Londoner Hotels (Doppelzimmer in der Regel 110 bis 150 Mark) und rund hundert Abendessen-Adressen in der Hauptstadt (ungefähr 30 bis 70 Mark für zwei) genannt. Kurze Kommentare fehlen dabei nicht.

Der Führer enthält auch ausgezeichnetes Kartenmaterial – Landkarten, auf denen die empfohlenen Häuser sowie die Sehenswürdigkeiten drumherum eingezeichnet sind. Das diesjährige Sonderthema (vonges Jahr wurden europäische Flughäfen behandelt), mit dem der englische Reiseführer-Papst jedes Jahr den Verkauf seines Führers anheizt, sind die Theater-Buffets und -Restaurants in London und der Provinz. ("Erstklassig sind unsere Theater, aber...").

Von 37 fanden die Inspektoren sieben entsetzlich, 14 dürftig, 13 annehmbar und zwei gut: das Lyric und das Greenwich. Und annehmbar sind zumindest: das National Theatre Restaurant, das Lyttleton sowie das Olivier-Buffet; die Royal Opera Crash Bar, Covent Garden; das Sadler’s Wells Buffet; die Young Vic Theatre Bar – alle in London. Von den anderen sollte man sich wohl besser fernhalten.

In seinen Reminiszenzen über 25 Jahre gastronomische Erfahrung weist Egon Ronay vor allem auf den enormen Fortschritt in den Massenbetrieben hin. Auch der Service, wo er noch bestehe, sei bedeutend freundlicher geworden. "Andererseits", so heißt es weiter, "entwickeln sich die Kettenhotels immer unpersönlicher und unmenschlicher und werden schließlich, noch luxuriöser als bisher, zu vollautomatisierten ‚Do-it-yourself‘-Unterkünften. Ein hoffnungsvoller Trend ist hingegen die Gründung von Landhaushotels – klein aber fein, geschmackvoll eingerichtet und mit gutem Essen –, die wie ein Privathaus geführt werden."

Last not least: Das Ritz-Hotel, das im letzten Jahr in London die Luxushäuser anführte, folgt nun dem Berkley, Claridges, dem Connaught und dem Dorchester. Auch das Operndorado Glyndbourne wird angegriffen. Dahin nehme man besser einen Picknickkorb mit! Wer freilich erstklassig speisen will, der gehe zu "La Tante Claire" (etwa 220 Mark für zwei), dem Restaurant des Jahres à la Ronay. (830 Seiten, rund 28 Mark, Egon Ronay Organisation Ltd., Greencoat House, Francis Street, London SW1P1DH). Julie Stewart