ZEIT: Vor einem Jahr gab es manche Aufregung über Probleme in Ihrem Unternehmen. Heute steht Siemens auch nach außen viel besser da, wie der Börsenkurs zeigt. Profitiert der größte deutsche Elektrokonzern da nicht auch ein bißchen vom Scheitern der AEG?

Kaske: Wir freuen uns natürlich über den Aufschwung der Siemens-Aktie – auch darüber, daß unsere Optionsanleihe bis auf einen kleinen Rest so gut wie vollständig gewandelt wurde. Mit der AEG hat das nichts zu tun. Unsere Zahlen werden im übrigen dadurch eher negativ beeinflußt. In den Pensionssicherungsverein der deutschen Wirtschaft müssen wir à conto AEG an die dreißig bis vierzig Millionen Mark einzahlen. Zudem sind wir im Ausland in den letzten turbulenten Monaten öfters gefragt worden: Gibt es gar eine Krise der deutschen Elektroindustrie? Davon kann natürlich keine Rede sein.

ZEIT: Könnte trotzdem auch Siemens etwas Ähnliches passieren wie der AEG?

Kaske: Wenn Sie vergleichen, was wir und auch andere Großunternehmen der Branche für Forschung und Entwicklung aufwendeten und was die AEG in den vergangenen Jahren dafür abzweigen konnte, dann sehen Sie Unterschiede. Man darf auch nicht dem Irrtum unterliegen, daß beim Entwicklungsaufwand Prozente vom Umsatz entscheidend seien. Man muß vielmehr davon ausgehen, was je Arbeitsgebiet für Forschung und Entwicklung ausgegeben wird.

ZEIT: So gut wie die ganze deutsche Industrie fragt jetzt nach einer deutschen oder echten europäischen Lösung für Grundig. Man möchte nicht einfach den Verkauf an Thomson-Brandt, einen französischen Konzern. Auch Siemens ist hier gefordert. Sehen Sie die Möglichkeit, daß sich Ihr Haus an solch einer großen Lösung beteiligt?

Kaske: Bitte verstehen Sie, daß ich dazu im Augenblick nicht Stellung nehmen kann.

ZEIT: Aber als Abnehmer von Bauelementen ist Grundig doch sicher ein wichtiger Kunde für Siemens.