Es war sicher gut gemeint. Es wird ja immer gut gemeint. Nur – was soll das Kind damit? Gold, Weihrauch, Myrrhe, wie nette ältere Herren eben so sind. Anstatt dem Kind mal was wirklich Vernünftiges zu schenken, etwas pädagogisch Sinnvolles – na ja, gut gemeint, sicher auch symbolisch. Und so ist es denn geblieben mit den Präsenten: überflüssig aber bedeutsam, blödsinnig aber teuer, originell aber unerträglich.

Da bekam der Bundeskanzler Willy Brandt zu seinem Fünfundsechzigsten vom Mainzer Oberbürgermeister, wie nette ältere Oberbürgermeister so sind, einen schönen Bibelnachdruck geschenkt. Ein paar Jahre später liegt das dann beim Antiquar; kaum erhalten, ausgepackt und angeguckt – schon weitergegeben, verschenkt, verkauft. Und alle fragen scheinheilig: Darf der das denn?

Aber ich bitte Sie! Was haben Sie denn letztes Jahr nach Weihnachten mit Ihren drei Edelstahl-Patentröstern gemacht? Und mit dem hübschen Zinnpokal? Und an wen wurde Ernst Wiechert, zehn Bände Goldschnitt, weitergereicht? Umtauschen ist doch viel zu lästig. Das wird wieder schön eingepackt, kommt in den Keller, und wenn Tantchen Geburtstag hat oder der liebe Herbert endlich mit seinem Examen fertig ist, weiß man wenigstens schon, was man "mitbringt". Weil ich an dich gedacht, sagt man dann fröhlich, hab’ ich dir etwas mitgebracht – und schwupp ist man den Plunder los!

Früher war das natürlich anders, versteht sich. Da war ein Geschenk noch eine Gabe, die getreulich dargebracht und dankbar angenommen wurde. Die Leute freuten sich über alles und jedes (siehe Weihrauch und Myrrhe), und waren’s zufrieden. Das wurde aufgehoben, von Generation zu Generation, bis keiner mehr wußte, was das Zeug eigentlich ist und wozu es mal gut sein sollte. Dann gab man es ins Museum. Das ist heute nicht mehr so. Das ist doch geschenkt, sagt man und meint, das ist doch egal.

Und diese persönlichen, ganz persönlichen Geschenke, die "selbstgemachten", wo man doch so stolz drauf ist? – Aber das sind doch die allerschlimmsten! Wo ist denn dieses Bild, das ich dir letztes Jahr gemalt habe? Warum trägst du denn nie diesen Pulli, den ich dir gestrickt habe, war doch so schön geworden?! – Ob, das quält.

All diese unheimlich wichtigen Bücher, die ich noch lesen muß, weil angeblich wie für mich geschrieben, diese "Hab’-ich-gleich-an-dich-gedacht-Romane" mit dicker Filzstiftwidmung vorn drin! Und die Platten, mit diesen unwahrscheinlich "anspielungsreichen" Liedern (also, Du weißt doch genau, wie ich das meine) – es ist schon unglaublich, wie gut die Freunde einen kennen.

Vor allem mit geschenkten Herzen gibt es schnell Probleme. Wie leicht knicken sie, brechen gar entzwei! Dann die Tränen, die Vorwürfe, die Rückgabeforderungen!