Laut "Pelle Ohneschwanz" von Stig Lasseby und Jan Gissberg. Dieser schwedische Zeichentrickfilm, der sich rühmt, es "mit den besten Geschöpfen von Walt Disney aufnehmen" zu können, ist ein lärmiger Film, der seinen pädagogischen Anspruch mit derber Komik und simplifizierender Charakterzeichnung einlöst. Leise Momente gibt es nur selten, visuelle und verbale Gags dagegen zuhauf. Was als ländliche Idylle beginnt, weitet sich aus zu einer Parabel über die Forderung nach gleichen Rechten für alle. Einer, der nicht ist wie die anderen, wird zum Sündenbock, und ein fanatischer Führer hetzt und wütet. Da kann einem der kleine Kater Pelle, der ohne Schwanz geboren wurde, schon leid tun. Mit seinen großen, naiv blickenden Augen gerät er in der Stadt Uppsala bei seinen Spaziergängen in das Revier des Katers Mark, der sich für keine Schandtat zu schade ist, um Pelle bloßzustellen. Aber das Gute siegt. Der Verfolger wird schließlich selber zum Verfolgten. Und so können alle Kinder zufrieden nach Hause gehen. Die Welt ist wieder in Ordnung – wie in alten Zeichentrickzeiten.

Anne Frederiksen

Mittelmäßig

"Slapstick" von Steven Paul, einem erst 24jährigen "Kid Director", dem es vor sechs Jahren gelang, Kurt Vonnegut die Verfilmungs-Rechte seines absurden Romans "Slapstick" abzuhandeln und sodann immerhin Jerry Lewis und Madeline Kahn für die Hauptrollen zu verpflichten: superintelligente Zwillinge von monströsem Aussehen, die in extremer Abgeschiedenheit aufgezogen werden und den von der Energie-Krise längst in die Pleite getriebenen USA zu neuen Heilsbringern werden sollen. Vonneguts bizarre Pop-Philosophie eignet sich kaum zur filmischen Umsetzung (was schon George Roy Hill bei "Slaughterhouse Five" erfahren mußte), und auch Steven Paul findet in "Slapstick" nur selten eine überzeugende Mischung zwischen Tortenschlacht und ironischer Untergangs-Rhetorik, zwischen den allergröbsten Auftritten (Marty Feldman als Butler, Samuel Fuller als Kommiß-Kopp) und den allerzartesten: den unmöglichen Liebes- und Überlebensversuchen der deformierten Zwillinge Wilbur und Eliza, die am Ende von den Raumfahrern der "Unheimlichen Begegnung der Dritten Art" in die gnädigen Weiten des Weltalls entführt werden. Jerry Lewis-Fans erleben den Meister in einer Doppelrolle: als Vater (konservativer Milliardär) und Sohn (sabbelndes Monster mit gutem Herzen und brillantem Verstand). Bei einer Reise durch die Bundesrepublik machte Lewis (der bald neben Robert De Niro in Martin Scorseses "King of Comedey" in seiner ersten ernsten Rolle zu sehen sein wird) Reklame für "Slapstick". Aus einem Gespräch im Salonwagen zwischen Bremen und Osnabrück blieb mir vor allem ein Satz im Gedächtnis: "In Europe everybody is Freud." So Wehrt sich der große Komiker gegen die Exegesen seiner Bewunderer.

Hans-Christoph Blumenberg

Schwerfällig

"Annie" von John Huston ist die Verfilmung des seit 1977 am Broadway laufenden Musicals, das seinerseits auf der 1924 von Harold Gray geschaffenen, überaus erfolgreichen – Comic-Serie "Little Orphan Annie" basiert: des kleinen Waisenmädchens, das im Depressionsjahr 1932 für eine Woche ins luxuriöse Heim des nur Geld, Macht und Kapitalismus liebenden Billionärs Daddy Warbucks kommt, mit ihrer kämpferischen Unschuld die latenten liberalen Neigungen dieses Kanonenkönigs weckt und Präsident Franklin D. Roosevelt zum New Deal-Aufschwung inspiriert. In keinem Moment verrät diese so aufwendig wie schwerfällig inszenierte Musical-Maschine etwas vom Regietalent des Altmeisters Huston ("Der Malteser Falke", 1941). Renommierte Darsteller (Albert Finney als glatzköpfiger Warbucks, Carol Burnett, Ann Reinking, Bernadette Peters, Tim Curry) stolpern durch lahme Tanznummern; und die zehnjährige Aileen Quinn als roter Wuschelkopf Annie mit dem eisernen Willen und den eisernen Lungen hopst herum und kräht dürftige (miserabel eingedeutschte) Songs mit der altklugen Adrettheit einer aufziehbaren Shirley-Temple-Puppe: ein gerissener kleiner Gold Digger in einem kaltblütig herzerwärmend kalkulierten Film.