Der südkoreanische Opposition politiker Kim Dae Jung, seit 1980 im Gefängnis, wird voraussiehtlich in die USA reisen dürfen.

Der einstige Führer der "Neuen Demokratischen Partei", 1971 nur knapp unterlegener Konkurrent des später ermordeten Generals Park Chung Hee um das Amt des Staatspräsidenten in Südkorea, wurde letzte Woche aus dem Gefängnis der Hauptstadt Seoul in ein Krankenhaus gebracht. Zugleich kündigte das Militärregime an, Kim könne demnächst in die USA reisen, um sich dort einer Hüftgelenkoperation zu unterziehen.

Der Politiker war im Mai 1980 – unmittelbar vor den schweren Unruhen in der Provinzstadt Kwangju – verhaftet und im September desselben Jahres wegen angeblichen Umsturzversuches zum Tode verurteilt worden. Nach Protesten aus der westlichen Welt gegen das in einem unfairen Prozeß gefällte Urteil, wandelte Staatspräsident Tschun Doo Hwan die Strafe zunächst in lebenslange Haft um; nach einer Amnestie im Frühjahr dieses Jahres wurde sie auf Frühjahr Jahre herabgesetzt.

Noch ist unklar, ob mit der angekündigten Ausreiseerlaubnis eine Begnadigung Kims verbunden wird oder ob er einfach und ohne Rückkehrerlaubnis in die Vereinigten Staaten abgeschoben werden soll. Die Militärs in Seoul haben einigen Grund, die demokratische Fassade ihrer Herrschaft zu polieren: US-Präsident Reagan hat seinen Besuch für nächstes Frühjahr angesagt, Und 1988 sollen die Olympischen Spiele in Südkoreas Hauptstadt stattfinden. H. Sch.