Ein besonders großer Augenblick im Leben zweier deutscher Menschen, sagt man, sei der Übergang vom höflichen "Sie" zum trauten "Du". Und unsere Jungen, sagt man, seien zu bedauern; denn wer wie sie und die Genossen von der SPD jeden gleich vertraulich mit Du anrede, könne den süßen Augenblick nie erleben.

Auf einer anderen Ebene freilich bedeutet der Übergang vom "Sie" zum "Du" ungeahnte Rechtschreibungs-Schwierigkeiten, Ein Mann, der in Schweden lebt, wollte sich dabei von der Gesellschaftfür deutsch Sprache in Wiesbaden helfen lassen. Er bekam dieseAuskunft: "Die Anredefürwörter ‚du‘ ,ihr‘ und die entsprechenden Possessivpronomen ,dein‘ ,euer‘ werden nur groß geschrieben, wenn eine Person oder eineGruppe unmittelbar angesprochen wird. So in Briefen... in Wahlaufrufen...auf Fragebögen, Klein schreibt man das Anredefürwort in der schriftlichen Wiedergabe von Ansprachen ... In der Werbung kann sowohl klein als auch groß geschrieben werden... Schriftsteller richten sich nicht immer nach dem Duden."

Drei Fragen drängen sich auf:

1. Warum werden einerseits die Personalpronomen "Anredefürwörter" und dafür andererseits die besitzanzeigenden Fürwortes "Possessivpronomen" genannt?

2. Wieso wird überhaupt "geschrieben", wenn jemand "angesprochen" wird? Die mündliche Wiedergabe von Ansprachen wird doch im übernächsten Satz expressis verbis ausgeschlossen.

3, Warum werden Schriftstellern und Werbetextern besondere Freiheiten eingeräumt?

Um den für manche. Leute ohnehin schwierigen Übergang vom "Sie" zum "Du" nicht noch schwieriger zu machen, plädieren wir für das höfliche Du, das, unflektiert und in allen Flexionsformen, immer groß geschrieben wird wie das höfliche Sie. Nicht ganz so leicht fällt es mir, auch für "Dein" und "Euer" zu stimmen; aber was dem Besitz des "Sie" (als "Ihr") recht ist, sollte dem Besitz des "Du" wohl, im Singular wie im Plural, billig sein.