Im Kinderzimmer hat sich der technische Fortschritt schon etabliert, längst halten niedliche Video-Killerspiele geplagten Eltern ihre Sprößlinge vom Leib. Reisen jedoch ist alleweil noch zeitraubend und beschwerlich.

Bald aber soll Schluß sein mit dem Streß. Nolan Bushnell, ein amerikanischer Computerspezialist, hat es sich in den Kopf gesetzt, die Travellers endlich von allen Strapazen zu befreien. Zu diesem Benufe hat er eine elektronische Reisemaschine ersonnen. Sie bringt scheinbar Unmögliches zuwege: Der Tourist bleibt zu Hause, dieweil er reist.

Einen Schaufensterbummel in Paris, schnell vor dem Mittagsmahl in der Kantine, oder – kurz vor dem Schlafengehen im eigenen Bett – einen innigen Blick auf die Venus von Botticelli: solche Wünsche macht der Reisecomputer im Handumdrehen wahr.

Es ist alles ganz einfach, sagt der Erfinder des Feriensimulators. Man macht sich’s – für eine Handvoll Münzen – im begehbaren Computer bequem, drückt ein Knöpfchen und ist schon mittendrin im Abenteuer, dank einer emsigen Schar von Robotern in den verschiedensten Urlaubsorten der Welt. Auf Befehl der heimatlichen Zentrale tasten die kleinen Blechtouristen mit ihren Sensoren hurtig das Ambiente ab und gaukeln es dem fernen Kunden in seinem Guckkasten in beweglichen Bildern vor.

Der sieht Straßen und Strände, Wälder oder Passanten, ganz nach Belieben, und selbstverständlich bekommt er auch zu hören, wie’s anderswo quäkt, hupt, rauscht und pfeift. So echt wirkt die Show, daß dem Zuschauer dünkt, er weile höchstpersönlich in der Ferne.

Was für eine geniale Erfindung! Niemand braucht mehr zu bangen, ob Zeit, Geld und Benzin für den Trip nach Spanien wohl reichen, keiner muß sich mehr über die mürrischen Zöllner ärgern, die ungeniert zwischen sorgsam gefalteten Dessous nach Calvados-Batterien fahnden. Selbst die beschwerlichen Bittgänge zu Tanten und Nachbarn werden überflüssig, weil weder Katze noch Kanarienvogel bis zur Rückkehr ihrer Besitzer verhungern können.

Herrliche Perspektiven – aber eben leider nur Perspektiven.