Das Angebot der deutschen Philips-Tochter, der Alldephi GmbH, Genußscheine zu zeichnen, ist auf rege Nachfrage gestoßen. Die an den deutschen Börsen wenig bekannten Papiere räumen ihren Besitzern interessante Chancen ein.

Als die Alldephi GmbH, Hamburg, mit ihrem Verkaufsangebot von Genußscheinen über 130 Millionen Mark auf den Markt kam, herrschte zunächst Skepsis. Als sich aber die Experten mit den komplizierten Emissionsbedingungen vertraut gemacht hatten und zu dem Schluß gekommen waren, daß hier etwas Interessantes für den fortgeschrittenen Sparer entstanden war, riß die Flut der Zeichnungen nicht ab. Alldephi nutzte die Gelegenheit und erhöhte den Emissionsbetrag um 70 auf 200 Millionen Mark. Auch er wurde noch überzeichnet.

Damit ist der Beweis erbracht, daß der deutsche Kapitalmarkt selbst in so saisonal ungünstigen Zeiten wie kurz vor dem Weihnachtsfest seine Ergiebigkeit keineswegs eingebüßt hat. Wenn die Konditionen "stimmen", steht zu jeder Zeit ausreichend Geld zur Verfügung. Auch für eine komplizierte Novität. Und das ist der Alldephi-Genußschein. Er gehört einer Wertpapiergattung an, wie ihn die deutsche Börse sonst nicht kennt – sieht man von dem Audi/NSU-Genußschein ab, der jedoch nicht zum Vergleich herangezogen werden kann. Er beinhaltet einen Teil der noch anfallenden Lizenz-Gebühren für den Wankel-Motor. Heute kostet er nur noch 2,50 Mark. Und eines Tages wird er wertlos sein.

Das wird der Alldephi-Genußschein niemals werden können. Dafür sorgt die garantierte jährliche Mindestverzinsung von TA Prozent. Theoretisch hat der Genußschein-Besitzer Anspruch auf ein Drittel des Alldephi-Dividendensatzes. Aber er kann zunächst vernachlässigt werden. Die Alldephi hat in den letzten beiden Jahren an ihre holländische Mutter keine Mark gezahlt. Daran wird sich auch so bald nichts ändern. Wirksam wird die Mindestausschüttungsklausel erst, falls Alldephi mehr als 23 5/8 Prozent ausschütten sollte.

Ab 1. Juli 1986 bis zum 30. Juni 1993 können die Alldephi-Genußscheine an bestimmten Stichtagen in Aktien des holländischen Philips-Konzerns umgetauscht werden. Das Umtauschverhältnis, das heißt die Anzahl der auf einen Genußschein entfallenden Philips-Stammaktien, bestimmt sich durch die Teilung des Grundbetrages des Genußscheins durch den Umtauschpreis für eine Philips-Stammaktie zu 10 holländischen Gulden.

Das klingt umständlicher, als es in Wirklichkeit ist, meine verehrten Leser. Gehen wir vom heutigen Kurs der Philips-Aktie von 24 Mark aus, so ist er durch den Grundbetrag des Genußscheins von 5000 Mark (Mindestzeichnungsbetrag) zu teilen. Dann bekommt man die Anzahl der Philips-Aktien. Hier: 5000 : 24 = 208,33 Stück. Der Umtauschpreis wird zum jeweiligen Stichtag ermittelt.

In der Praxis bedeutet diese Regelung, daß von 1986 an der Genußschein niemals unter pari sinken kann. Denn über die Wandlung in Philips-Aktien erhält der Genußscheinbesitzer stets einen Gegenwert von 5000 Mark. Das Kursrisiko beginnt, wenn der ehemalige Genußscheinbesitzer seine Philips-Aktien behält.