Auf das Ergebnis der Hamburger Bürgerschaftswahlen wurde in den Börsensälen anders reagiert als nach den Landtagswahlen in Hessen. Nur die Stimmung war gedrückt, nicht die Aktienkurse. Das lag vor allem an dem Verhalten der Ausländer, die ihre Käufe deutscher Spitzenpapiere fortsetzen. Für die Ausländer war offensichtlich entscheidend, daß die "Hamburger Verhältnisse" der Vergangenheit angehören.

Wenn sich viele Börsianer auf magere Börsenwochen einstellen, dann liegt es an der wieder einmal ins Stocken geratenen Zinssenkung, aber auch an dem politischen Schwebezustand, in dem sich die Bundesrepublik bis zum Termin für die angestrebten Bundestagswahlen befinden wird. Manche Banken glauben, eine Hausse für den Fall voraussagen zu können, daß die Meinungsumfragen ein Ergebnis bringen, das eine Fortsetzung der jetzigen Regierungspolitik erlauben würde. Andererseits haben sich die Wahlprognosen in jüngster Zeit aber als so unzuverlässig erwiesen, daß davon Anlageentscheidungen schwerlich abhängig zu machen sind.

Daß in dieser Situation die Börsianer nach konjunkturellen Hoffnungsschimmern verzweifelt Ausschau halten, ist verständlich. Mit Aufmerksamkeit wurde deshalb die Feststellung der Bundesbank zur Kenntnis genommen, wonach sich in den vergangenen Monaten eine leichte Belebung der Verbrauchsnachfrage gezeigt hat. Der gleichzeitige Hinweis auf eine Stabilisierung der privaten Autonachfrage traf mit der Nachricht zusammen, wonach die Zahl der Kraftfahrzeug-Neuzulassungen im November deutlich rückläufig gewesen ist. Dennoch erreichten Daimler- und Mercedes-Aktien neue Jahreshöchstkurse; die Kurse der BMW- und VW-Aktien blieben stabil.

K. W.