Von Heinz-Günther Kemmer

Der Veba-Chef beließ es bei einigen Andeutungen: "Die Partner sind übereingekommen", so Rudolf von Bennigsen in der letzten Hauptversammlung des umsatzstärksten deutschen Unternehmens, "die Verhandlungen – vorbehaltlich der Zustimmung der jeweiligen Aufsichtsratsgremien– noch in diesem Jahr abzuschließen." Die Partner sind die staatliche venezolanische Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela – kurz Petroven genannt – und die Veba Oel AG. Das Geschäft, von dem von Bennigsen sprach, ist jetzt unter Dach und Fach.

Am vergangenen Freitag billigte der Veba-Aufsichtsrat eine Vereinbarung mit den Venezolanern, am Dienstag dieser Woche stimmte auch das Aufsichtsgremium der Tochtergesellschaft Veba Oel zu. Danach wird sich – das ist der erste sichtbare Schritt – die Petroven zum 1. Januar 1983 an den in der "Werksgruppe Ruhr" zusammengefaßten Gelsenkirchener Raffinerien der Veba mit fünfzig Prozent beteiligen.

Bei der Veba atmet man nach dieser Entscheidung sichtbar auf, denn durch sie wird das Unternehmen von einer schweren Last befreit. Fritz Oschmann, der Vorstandsvorsitzende von Veba Oel, hatte schon vor Jahren darüber geklagt, daß auf der Verarbeitung von Rohöl kein Segen liege. Gewinne könne man bei der Rohölförderung und beim Verkauf der Produkte erzielen, nicht aber in den Raffinerien.

Durch die Vereinbarung mit der Petroven wird das Verlustpotential der Veba um ein rundes Drittel verringert. Von den 16,3 Millionen Tonnen Raffineriekapazität, die das Unternehmen derzeit noch hat, stehen 10,5 Millionen Tonnen in Gelsenkirchen, und eben davon wird die Petroven – gegen eine Barzahlung in bisher ungenannter Höne – die Hälfte erwerben.

Da stellt sich natürlich gleich die Frage, ob die Venezolaner Oschmanns Lektion von der Verlustträchtigen Mineralölverarbeitung nicht mitbekommen haben. Denn sie beteiligen sich ja ausgerechnet an der schwächsten Stelle des Ölgeschäfts. Aber das ist eben nur ein Teil des Handels. Es ist sozusagen das Verlobungsgeschenk der Petroven, die mit der Veba eine glückliche Ehe anstrebt. Und in dieser Ehe geht es vorwiegend um die Nutzung der venezolanischen Schwerölvorkommen im Orinoco-Becken, die die reichsten der Welt sind. Um aus ihnen marktgängige Produkte zu machen, bedarf es einer Technik, die Veba Oel wie kein anderes Unternehmen beherrscht: der Hydrierung.

Aber auch ohne diesen nächsten Schritt macht der Einstieg in die Veba-Raffinerien für die Petroven Sinn. Sie sucht nämlich Absatz für ihr konventionelles Rohöl. Seit die Mexikaner kometenhaft zur Ölmacht Nummer eins in der Karibik aufgestiegen sind, tut sich Venezuela schwer mit dem Absatz seines Rohöls und seiner Ölprodukte auf dem amerikanischen Markt. 1970 war Mexiko mit einer Förderung von 22 Millionen Tonnen im Vergleich zu Venezuela (193 Millionen Tonnen) noch ein Zwerg, im vergangenen Jahr überflügelte das neue Ölland mit 120 Millionen Tonnen die Venezolaner, deren Förderung auf 115 Tonnen zurückgefallen war.