Der 6. Januar ist der "Dreikönig Erst mit ihm endet der ganze weil nachts- und Neujahrsfestkreis, der mit der Adventszeit begann. An seinem Vorabend, der letzten der "Rauhnächte", ziehen in manchen Gegenden vermummte Gestalten, mit einem Stern vor sich her, singend von Haus zu Haus und schreiben mit Kreide das Dreikönigszeichen an die Türen: K+M+B, Das sind die Initialen der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior undBalthasar, von denen es heißt, sie seien aus dem Morgenland nach Bethlehem gekommen, um den neugeborenen Heiland anzubeten und ihm Geschenke zu bringen. Dieser Brauch, bei dem - wie noch heute in Hüdesheim, wo im Dom Fingerknöchel der Drei Könige bewahrt werden - drei der Sternsänger als Könige verkleidet sind, ein vierter als der böse Herodes, stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Daß der Dreikönigstag auf den 6. Januar fällt, ist eigentlich die Folge eines Mißverständnisses. In der katholischen Kirche wird der 6. Januar als Fest der Erscheinung (Epiphanie) des Herrn gefeiert. Unter Erscheinung des Herrn wurde eine Zeitlang die Geburt Jesu mit der Anbetung der Weisen oder Magier (Matth. 2, 1 12) verstanden.

Später, als die Kirche Jesu Geburt zu Weihnachten beging, wurde der 6. Januar zum Fest dreier Wunder, der Anbetung der Weisen, der Taufe Jesu im Jordan und der Hochzeit zu Kana. Als "Fest der Heiligen Drei Könige" ist der 6. Januar von de_r Kirche nie verstanden worden. Die Kirche hat auch die Drei Könige niemals kanonisiert; entgegen dem allgemeinen Sprachgebrauch sind sie also in Wahrheit keine Heiligen.

Daß sie Könige gewesen seien, ist ebenfalls eine legendäre Vorstellung; sie kam im 5. Jahrhundert auf und Knüpft an Psalm 72 10 an, wo es heißt; "Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen Matthäus, der als einziger von der Anbetung berichtet, schrieb nicht von Königen, sondern von Magiern. Daß es drei gewesen seien, behauptet er auch nicht. Die Zahl drei kam hier ebenfalls erst später auf, möglicherweise in Analogie zu den drei Gaben, die überreicht wurden: Gold, Weihrauch und Myrrhe, vielleicht auch nur, weil die Drei in der christlichen Mythologie als besonders glückliche, ja heilige Zahl galt.

Nach einem Augenzeugenbericht enthält der berühmte Dreikönigsschrein im Kölner Dom die Gebeine dreier Männer. Der Bericht stammt aus dem Jahr 1158, als die Gebeine (eines 15 Jahre alten, eines 30 Jahre alten und eines 60 Jahre alten Mannes) in der vor Mailand liegenden Kirche San Eustorgio gehoben wurden, um sie nach Köln zu schaffen. Dies geschah auf Betreiben des damaligen Erzbischofs von Köln und Kanzlers Kaiser Barbarossas, Rainald von Dassel.

Wie Rainald von Dassel auf die Gebeine aufmerksam wurde, wie er sie erwarb, ist im einzelnen nicht überliefert. Es ist auch nicht klar, wie sie nach Mailand gekommen waren. Zwar heißt es in einer Biographie des Mailänder Bischofs Eustorgius, dieser habe sie gegen Ende des 4. Jahrhunderts von Konstantinopel nach Mailand gebracht, als ein Geschenk des byzantinischen Kaisers. Aber die "Vita Eustorgii", in der das behauptet wird, entstand erst im 12. Jahrhundert, und zwar in Köln!

Nur in dieser Lebensgeschichte wird auch behauptet, daß die Kaiserinmutter Helena die Gebeine nach Konstantinopel habe bringen lassen nachdem sie sie im Heiligen Land gefunden habe. In Helenas eigener Lebensgeschichte, die von ihrem Zeitgenossen Eusebius, seit 313 Bischof von Cäsarea in Palästina, geschrieben wurde, der Helena gut kannte und ihre Pilgerfahrt durchs Heilige Land und ihre dort gemachten Entdeckungen ausführlich schilderte, ist davon nicht die Rede. Es ist ja auch ganz unwahrscheinlich, daß die Gebeine der Magier in Palästina zu finden gewesen wären: bei Matthäus heißt es, die Magier seien nach ihrem Besuch in Bethlehem in ihr Land zurückgekehrt.