Zentralbank-Chef Paul Volcker muß jetzt für den Aufschwung sorgen

Von Jes Rau

Bei allem Respekt vor seinen großen Vorgängern William Mc Chesney-Martin und Arthur F. Burns – und den Männern, die seit Kriegsende an der Spitze der amerikanischen Zentralbank standen, ist Paul Adolph Volcker, ihr heutiger Chef, die herausragende Figur. Herausragend auch im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Gardemaß – Volcker ist über zwei Meter groß und lebt offensichtlich nicht nur von Salatblättern – trägt sicherlich mit dazu bei, daß ihm die – von jedem Inhaber dieses Amtes nun einmal erwarteten – Demonstrationen der Souveränität und Gelassenheit so leicht fallen. Er hat einfach die Ruhe weg.

Vor knifflige Fragen gestellt – wie zum Beispiel bei den jüngsten Anhörungen im Kongreß –, scheint er sich ganz auf das Saugen an seiner unvermeidlichen Zigarre zu konzentrieren, die zu seinem Markenzeichen geworden ist. Abwechselnd Rauchschwaden und wohlabgewogene Worte von sich gebend, macht er seinem jeweiligen Gegenüber klar, daß er weiß, wovon er redet. Selbst hartnäckige Kritiker der Federal Reserve Board, wie der demnächst in den Ruhestand tretende Krongreßabgeordnete Henry Reuss, zeigten sich von dem Mann beeindruckt.

Aber Volcker ist nicht nur ein überzeugender Repräsentant der "Fed", wie die Zentralbank in Amerika kurz genannt wird, sondern er besitzt auch die Substanz, um sein schwieriges und verantwortungsvolles Amt auszufüllen. Leuten, die ihn kennen, fallen zu seiner Beschreibung Adjektive ein wie "kompetent, professionell, intellektuell, ernsthaft und umgänglich". Das sind Qualitäten, nach denen Bedarf besteht – mehr denn je. Denn in ihrer Geschichte dürfte die Fed noch nie eine solche Schlüsselstellung eingenommen haben wie heute. Nicht ganz zu Unrecht nannte ein Kommentator des amerikanischen Fernsehnetzes ABC Volcker den "zweitmächtigsten Mann" der USA.

Seine Entscheidungen berühren das Portemonnaie von jedermann. Weil sich die Fed auf Drängen Volckers im Oktober 1979 auf eine Politik des knappen Geldes nach monetaristischer Rezeptur einließ, herrscht seitdem Rezession – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, Japan, in den Entwicklungsländern und sogar im Ostblock. Auf dem ganzen Globus wartet man jetzt darauf, daß Volcker die Zinsen für die Dollarkredite weiter nach unten bringt und auf diese Weise endlich für den langersehnten Aufschwung sorgt.

Anders als sein unmittelbarer Vorgänger William Miller ist Volcker unter Bankiers und Wirtschaftspolitikern in der ganzen Welt eine bekannte Größe. Obwohl er der Demokratischen Partei angehört, diente er dem Republikaner Richard Nivon als stellvertretender Finanzminister. Bei den komplizierten Verhandlungen, die das Ende des Systems fester internationaler Wechselkurse brachten, etablierte Volcker seine Reputation als Mann von Integrität und erstklassigem Fachwissen.