Mit den Kohlehalden wächst offensichtlich auch die Phantasie derer, die vom Verkauf der Kohle leben. So verstieg sich Adolf Schmidt, der Vorsitzende der IG Bergbau und Energie, zu der kühnen Forderung, die öffentliche Hand solle gefälligst ihre Gebäude mit Kohle und Koks statt mit Öl und Gas beheizen. Wer das nicht tue, verschwende Steuergelder – der Brennstoff Kohle sei im Vergleich mit Öl und Gas um mehr als dreißig Prozent billiger.

Bei diesem Kostenvorteil sollte es eigentlich eine Flut von Umstellungen geben, in Wirklichkeit geschieht jedoch so gut wie nichts.

So stellte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Steger die Frage, wie viele Gebäude des Bundes (einschließlich Bahn und Post) seit 1980 auf Kohlefeuerung umgestellt worden seien. Antwort des parlamentarischen Staatssekretärs Jahn am 26. Oktober; Eine zentrale Statistik, der einschlägige Daten entnommen werden könnten, liegt nicht vor. Die zur Beantwortung bei den betroffenen Bauverwaltungen durchgeführte Schnellumfrage ergibt folgendes Bild: Im Bereich des Bundes sind seit 1980 an bestehenden Wärmeerzeugungsanlagen keine Umstellungen auf Kohlefeuerung vorgenommen werden.

Einen Lichtblick für die Kohle gab es dann doch. 1983 sei vorgesehen, so Jahn, "eine Anlage des Bundesgrenzschutzes von Öl- auf Kohlefeuerung umzurüsten".

Jahn erläuterte auch, warum das Ergebnis so niederschmetternd ist: "Haupthindernis für den verstärkten Einsatz von Kohle sind die hohen Investitionskosten, die insbesondere durch die Umweltschutzauflagen verursacht werden."

Diese Antwort machen sich – im stillen Einverständnis offenbar – auch andere, öffentliche Stellen zu eigen. So Ulrich Doose, Referent für Energiefragen beim Deutschen Städtetag, der das Erdgas als besonders umweltfreundlich preist und im übrigen die Auffassung vertritt, daß die Umstellung – soweit überhaupt möglich – längst vollzogen sei.

Eine zentrale Statistik, die das Marktpotential der Kohle aufzeigen könnte, gibt es auch beim Städtetag nicht. Aber da kann man sich mit einer Hochrechnung helfen. So gibt der Baudirektor Hans Thiele vom Hochbauamt der Stadt Duisburg den Wärmebedarf seiner Kommune mit rund 320 000 Megawattstunden an. Das sind ziemlich genau vierzigtausend Tonnen Steinkohleneinheiten. Auf die Bevölkerung der Bundesrepublik hochgerechnet ergibt das 4,3 Millionen Tonnen Kohle – eine Menge, die den Bergbau jauchzen lassen müßte.