Von Steffen E. Kopf

Jahrzehntelange Klagen über den tumben deutschen Touristen, der sich nur die Sonne auf den Bauch brennen und das Bier in den Schlund rinnen läßt, sind überholt. Der deutsche Urlauber ist zum kundigen, qualifizierten Reisenden geworden. Die höchste Form der Qualifikation haben die "Rausholer" erreicht, die Vorhut einer neuen Touristengeneration.

Für sie sind die "schönsten Tage im Jahr" Schwerarbeit. Alfons Madig, einer der gefürchtetsten Urlauber in deutschen Landen, gehört mit seiner wohlausgebildeten Familie zu diesen Urlaubsarbeitern. Er ist darauf spezialisiert, nie den vollen Reisepreis zu zahlen: "Dat is an sich Ehrensache." Ermöglicht wird dieser Ehrenhandel durch die konsequente Anwendung des neuen Reisevertragsrechts. Denn eines ist klar: Wenn man nur will, stimmt immer etwas nicht.

Alfons wann Gleichgesinnte und solche, die es noch werden wollen, vor einem Kardinalfehler: Denke niemals daran, dich im Urlaub erholen zu wollen!

Madig schilderte uns auf dem Flug ins Ferienvergnügen seine Urlaubsvorbereitungen: Schon bei Reiseantritt fand sich am Flughafen ein unfreundlicher Schalterangestellter. Sofort wurde sein Name notiert, er wurde zwecks Beweissicherung Photographien, obwohl er sich bockig stellte. Es kam zu einem Handgemenge, in dem die Sonnenbrille von Frau Madig zu Bruch ging. "Recht so", meinte händereibend das Familienoberhaupt bei der Erzählung, "wäre ja gelacht, wenn nicht schon hier was zu reklamieren gewesen wäre!"

Über solche Vorfälle führt Frau Astrid gewissenhaft Protokoll auf von Alfons selbst ausgetüftelten Vordrucken, die er jedem empfehlen könne.

Im Flugzeug wurde nach der obligatorischen Platzreklamation erst einmal die Technik ausgiebig erprobt. Luftdüsen, Leselicht, Notklingel, die Verstellbarkeit der Sitze: "Astrid, notiere bitte, Fenster läßt sich nicht öffnen, im mittleren Aschenbecher eine Kippe, nur zwei Kissen, Gangsitz läßt sich nicht verstellen." Eigenartig, mir ist das alles nicht aufgefallen. Im Halbschlaf bekam ich die Szene mit, wie Alfons der Stewardeß das Essen hin- und die abweichende Flugroute vorwarf. Sohn Marco war knatschig, weil entgegen der Flugbeschreibung der Montblanc nicht überflogen wurde.